Heute ist der 17.07.2026 und während sich die Sonne über München-Allach ihren Weg bahnt, brodelt es in den Gewässern Oberbayerns. Die Trockenheit hat in den letzten Wochen dramatische Ausmaße angenommen. An Bächen und Seen werden Szenen sichtbar, die einem den Atem rauben. Der Fischereiverband Oberbayern spricht von „Fischbergungen auf Rekordniveau“. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die hohen Wassertemperaturen verwandeln viele Senken in echte Fischfallen. Spaziergänger, die erst handeln, wenn es zu spät ist, tragen nicht gerade zur Entspannung bei.

Der Sylvensteinspeicher, ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber, ist besonders betroffen. Der Wasserstand fiel innerhalb einer Woche um über einen Meter. Michael März, der Vorstand des Fischereivereins Lenggries, ist im Dauereinsatz. Mehrere Aktionen zur Rettung von Fischen aus abgeschnittenen Senken wurden organisiert. Hechte, Barsche, Schleien und Weißfische wurden in tiefere Stellen des Sees umgesiedelt. Eine eindrucksvolle, aber auch erschreckende Anstrengung, die zeigt, wie sehr die Natur leidet. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Die Realität der Fischretter

Die Situation ist nicht nur am Sylvensteinspeicher angespannt. Auch an der Oberen Ilm im Landkreis Dachau und an den Gröben- und Starzelbach im Landkreis Fürstenfeldbruck sind Fischretter im Einsatz. Sie kämpfen gegen die extremen Niedrigwasserstände, die laut Thomas Schiffler, dem Vizepräsidenten der Oberbayern-Fischer, zu verheerenden Bedingungen führen. Große Flüsse wie die Isar und Amper erreichen bedrohlich hohe Temperaturen über 20 Grad. In einem Biotop in München-Allach verzeichnete man bereits tote Fische, weil die Hilfe einfach zu spät kam.

Ein Streitpunkt, der die Gemüter erhitzt, ist der Wasserabfluss aus der oberen Isar in den Walchensee – hier stehen sich Fischer und der Kraftwerksbetreiber Uniper gegenüber. Der Fischereiverband appelliert an die zuständigen Stellen, unbewirtschaftete Gewässer intensiver zu überwachen, denn die Zahl der Bäche und Biotope in Oberbayern beläuft sich auf Hunderte, viele von ihnen sind nicht im Messsystem des LfU erfasst. Das ist ein echtes Problem, denn oft wird erst alarmiert, wenn es für die Fische bereits zu spät ist.

Anpassung an den Klimawandel

Die Situation ist nicht nur eine Herausforderung für die Fischretter, sondern auch ein Weckruf für alle, die Verantwortung für unsere Gewässer tragen. Langfristige Maßnahmen gegen Extremwetterlagen und den Klimawandel sind unumgänglich, um die Funktionalität der Gewässer und den Schutz von Flora und Fauna zu gewährleisten. Renaturierung natürlicher Gewässer, die Einrichtung von Schutzgebieten und die Schaffung von Vernetzungen zwischen den Gewässern sind essenziell, um Lebensräume für Fischarten zu stabilisieren.

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Der Klimawandel verändert die Lebensraumbedingungen für viele Arten, und Anpassungen sind notwendig. Durch die Schaffung neuer Flachwasserzonen könnte man versuchen, die Fischbestände zu stabilisieren und die Laichbedingungen zu verbessern. Zudem müssen wir über den Tellerrand hinausblicken: Die Schaffung von Kaltwasserrefugien durch Aushub tiefer Abschnitte könnte helfen, die Wassertemperaturen zu senken und den Fischen einen Rückzugsort zu bieten. Es ist ein komplexes Puzzle, das viele Teile benötigt, um es zusammenzufügen.

Die Fischretter haben ihre Arbeit noch lange nicht beendet. Neben Notabfischungen, die in akuten Fällen nötig sind, stehen auch Regelungen zur Wassernutzung in extremen Hitzeperioden auf der Agenda. Jede Hilfe zählt, sei es durch Überwachung, Renaturierung oder die Ausweisung von Schongebieten. Die Natur ist ein zerbrechliches System, und es liegt an uns, es zu schützen und zu bewahren – bevor es zu spät ist.