Am 1. Juni 2026 ist es soweit: Dr. Martin Greetfeld übernimmt die ärztliche Leitung der Kirinus Schlemmer-Klinik in Bad Tölz. Eine spannende Veränderung, die nicht nur die Klinik selbst, sondern auch das gesamte Umfeld in der Region betreffen wird. Greetfeld folgt auf Dr. Markus Reicherzer, der die Klinik seit 2008 geleitet hat und in dieser Zeit maßgeblich die medizinische Ausrichtung geprägt hat. Reicherzer war ein wichtiger Kopf, besonders für die Einführung der Dialektisch-Behavioralen Therapie – die gilt ja als die erfolgreichste Therapie für Borderline-Erkrankungen. Ein schwerer Abschied für viele, doch gleichzeitig ein Neuanfang mit frischem Wind!
Dr. Greetfeld ist kein Unbekannter in der Welt der Psychosomatik. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie. Mit seiner Erfahrung, die er seit Ende 2023 bei der Kirinus-Gruppe in der Kirinus Tagesklinik Nymphenburg gesammelt hat, bringt er viel Expertise mit. Auch seine Lehrtätigkeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigt, dass er nicht nur praktizierender Arzt, sondern auch ein engagierter Vermittler von Wissen ist. Und das Beste? Er bleibt auch als Chefarzt in der Kirinus Privatklinik Am Friedensengel in München-Bogenhausen aktiv. Es wird spannend, wie er die Schlemmer-Klinik weiterentwickeln wird!
Eine Klinik mit Geschichte
Die Kirinus Schlemmer-Klinik hat eine lange Tradition, die bis ins Jahr 1948 zurückreicht. Damals eröffnete Dr. Adolf Schlemmer seine Privatklinik im Hubertus-Schlößl in Rottach-Egern. Nur vier Jahre später zog die Klinik nach Bad Wiessee um, wo sie sich auf Herz- und Gefäßerkrankungen sowie Reha-Maßnahmen spezialisierte. Ein Feuer im Jahr 1956 zerstörte die gesamte zweite Etage des Parksanatoriums, aber anstatt aufzugeben, baute Schlemmer die Klinik größer und moderner wieder auf. Was für ein Durchhaltevermögen!
Im Jahr 1965 wurde die Schlemmer-Klinik zu einer der führenden Einrichtungen in Deutschland für die Behandlung psychischer Erkrankungen. Dr. Paul Drisch übernahm 1976 die Chefärzte und baute die psychosomatische Abteilung aus. Unter seiner Führung wurde das Konzept der integrativen Ganzheitsbetreuung eingeführt, was den Grundstein für die heutige Ausrichtung der Klinik legte. 1982 wurde die Klinik schließlich an die Familie Klitzsch verkauft, die das Konzept der Psychosomatik weiter förderte und die Klinik vollständig auf psychosomatische Behandlungsansätze umstellte.
Psychosomatische Medizin im Wandel
Die Entwicklung der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie in Deutschland ist eine faszinierende Geschichte. Zwischen 1965 und 2020 erlangte diese Disziplin zunehmend Bedeutung als Querschnitts- und Spezialdisziplin. Die gesellschafts- und wissenschaftspolitischen Verhältnisse in West- und Ostdeutschland haben dabei eine große Rolle gespielt. So gab es Reformen in der ärztlichen Universitätsausbildung, die die Integration psychosomatischer Ansätze in die Grundversorgung vorantrieben. Man könnte fast sagen, dass sich die Sichtweise auf psychische Erkrankungen grundlegend gewandelt hat. Die Trennung der psychosomatisch-psychotherapeutischen von der psychiatrischen Versorgung war ein weiterer Meilenstein.
Natürlich gab es auch Widerstand – von verschiedenen Verbänden, die gegen die Etablierung der Psychosomatischen Medizin ankämpften. Doch die Rolle der psychosomatischen Gesellschaften und Berufsverbände war entscheidend. Ohne sie wäre die heutige Akzeptanz und Integration der Psychosomatik im Gesundheitswesen wohl nicht so weit fortgeschritten. Das alles geschah parallel zu den Entwicklungen der nichtärztlichen Psychotherapeuten, die ebenfalls ihren Platz im deutschen Gesundheitswesen forderten.
Die Schlemmer-Klinik hat also nicht nur eine spannende Geschichte, sondern steht auch für die Entwicklung eines neuen Verständnisses von Gesundheit und Krankheit. Mit Dr. Martin Greetfeld an der Spitze wird es spannend sein zu sehen, wie diese Tradition fortgeführt wird und welche neuen Impulse er setzen kann. Ein neues Kapitel beginnt!