Heute ist der 6.05.2026 und wir sind hier in Hadern, wo der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Luft hängt und die Sonne durch die Fenster scheint. Der Sport, der die Menschen hier und in der ganzen Schweiz verbindet, steht momentan im Fokus: das Schwingen. Die Diskussion über die mögliche Einführung eines Video-Schiedsrichters, kurz VAR, hat in den letzten Wochen für ordentlich Wirbel gesorgt.
Thomas Renggli, ein Zürcher Schwing-Experte und Autor, äußert sich zu dieser Thematik und bringt die Emotionen ins Spiel, die das Schwingen so einzigartig machen. „Das Schwingen basiert auf menschlicher Entscheidung und Emotionen“, betont er. „Es lebt nicht von Millimetern, sondern von dem Ermessensspielraum, den die Kampfrichter haben.“ Dies ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass nach dem Eidgenössischen Schwingfest (ESAF) 2025 in Mollis die Forderungen nach technischem Support für die Kampfrichter wieder lauter werden. Nöldi Forrer und andere Experten fordern Fernsehbilder, um Fehler zu vermeiden, während Fabian Staudenmann von einem umstrittenen Punktentscheid berichtet, der ihn möglicherweise den Schlussgang gekostet hat.
Die Emotionen des Schwingens
Staudenmann selbst lehnt ein digitales Tribunal ab und hebt hervor, wie wichtig Emotionen im Sport sind. Christian Stucki, der Schwingerkönig von 2019, warnt ebenfalls davor, dass die Einführung eines VAR dem Schwingsport schaden könnte. „Wir wollen nicht, dass das Schwingen zu einer Technik-Diskussion verkommt“, sagt er. Renggli vergleicht die Situation mit dem Schweizer Fussball, wo oft unverständliche Entscheidungen getroffen werden. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Zuschauer auf den Rängen im Stadion diskutieren, während einige im Hintergrund mit einem Bier in der Hand den Schwingkampf verfolgen.
Die Spannungen, die im Umfeld des ESAF in Mollis entstanden sind, sind unverkennbar. Experten diskutieren kontrovers über die Kampfrichterentscheidungen, die nicht nur den Verlauf des Festes, sondern auch die Chancen der Schwinger beeinflussten. Armon Orlik, der neue Schwingerkönig, profitierte von einem gestellten Schlussgang zwischen Samuel Giger und Werner Schlegel, während Schlegel selbst in mehrere Fehlentscheidungen verwickelt war. Da fragt man sich schon, ob die Emotionen der Zuschauer und der Schwinger selbst nicht mehr zählen als ein technisches Detail, das am Ende vielleicht doch nur zur Verwirrung führt.
Der Blick nach vorne
Der Verband hat bis zum nächsten ESAF in Thun, das vom 29. bis 31. August stattfindet, Zeit, diese Entscheidungen zu treffen. Matthias Sempach, der Schwingerkönig von 2013, sieht ebenfalls Verbesserungspotenzial im Schwingen und fordert eine Diskussion über Neuerungen. Roman Wyler, der verantwortliche Kampfrichter, verteidigt die Entscheidungen und betont die Herausforderungen bei der Analyse von Kämpfen. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, zwischen der Seele des Schwingens und dem technischen Fortschritt.
Schwingen ist mehr als nur ein Sport. Es ist eine Kultur, die von Geschichten und Emotionen lebt. Fehlentscheidungen sind Teil dieser Erzählung. Renggli hat dies treffend zusammengefasst: „Schwingen ist durch die Verweigerung gegenüber Technisierung gewachsen.“ Am Ende stellt sich die Frage, ob wir wirklich ein digitales Tribunal brauchen oder ob wir nicht doch lieber die menschliche Note in unseren Kämpfen bewahren sollten. Die Diskussion ist eröffnet, und die Zeit wird zeigen, wohin der Weg führt.