Ein Ort der Hoffnung: Zehn Jahre Kinderpalliativzentrum in Großhadern
Großhadern, 22. Juni 2026 – Das Kinderpalliativzentrum am LMU-Klinikum hat gerade sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Das war nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch ein Moment des Innehaltens und Nachdenkens über eine Einrichtung, die in Deutschland einmalig ist. Die erste Kinderpalliativstation des Landes wurde 2016 von Prof. Monika Führer ins Leben gerufen und bietet seitdem schwerstkranken Kindern und ihren Familien einen Ort, an dem sie trotz schwieriger Umstände Unterstützung finden können.
Bei dem Festakt waren viele prominente Gäste anwesend, unter anderem Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume. Ihre Worte waren nicht nur eine Anerkennung der Arbeit im Zentrum, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft die Herausforderungen, mit denen betroffene Familien konfrontiert sind, ernst nimmt. Vor der Eröffnung des Zentrums gab es in Deutschland keinen speziellen Ort, an dem schwerstkranke Kinder ihre letzten Tage in Geborgenheit mit ihren Angehörigen verbringen konnten. Das ist heutzutage unvorstellbar, oder?
Ein Zuhause auf Zeit
Das Kinderpalliativzentrum betreut Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Krankheiten. Prof. Führer betont, dass es sich hierbei nicht um eine Sterbestation handelt. Die meisten Kinder können in einem besseren Zustand nach Hause entlassen werden. Das klingt vielleicht erst einmal befremdlich, aber es zeigt, wie wichtig die Arbeit des Teams ist. Jährlich sterben in Deutschland zwischen 2500 und 3000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren, oft an unheilbaren Krankheiten. In Bayern allein sind es etwa 500 Kinder unter 15 Jahren. Diese Zahlen sind erschreckend, doch das Zentrum gibt Familien einen Raum, um gemeinsam zu trauern, zu leben und die verbleibende Zeit intensiv zu nutzen.
Im Zentrum stehen acht Einzelzimmer zur Verfügung, die nicht immer belegt sind. Viele Familien entscheiden sich, die letzten Tage lieber in ihrem gewohnten Umfeld zu verbringen. Das ist nachvollziehbar. Die Zeit ist kostbar, und jeder Moment zählt. Besonders schmerzhaft ist die Tatsache, dass über 3000 Kinder in Bayern leben, deren Leben vorzeitig enden wird. Diese Schätzung zeigt, wie dringend solche Einrichtungen benötigt werden.
Ein Ort des Lebens und der Hoffnung
Die häufigsten Erkrankungen, die im Kinderpalliativzentrum behandelt werden, sind angeborene Krankheiten wie Chromosomstörungen und Muskelerkrankungen. Krebserkrankungen machen dabei weniger als zehn Prozent der Fälle aus, auch wenn etwa 15 Prozent der jungen Krebspatienten letztlich sterben. Das überrascht vielleicht. Fortschritte in der Kindermedizin haben dazu geführt, dass Kinder in kritischen Situationen länger überleben, was oft zu schweren Folgeproblemen führt. Das bedeutet, dass die emotionale Begleitung für die Familien eine der größten Herausforderungen im Alltag des Zentrums ist.
Ein zentraler Aspekt der Arbeit im Kinderpalliativzentrum ist der Umgang mit Trauer und Emotionen. Es ist kein leichtes Thema, und auch die Mitarbeiter benötigen Supervision und Teamgespräche, um ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Monika Führer beschreibt das Sterben von Kindern als eines der letzten großen Tabus in unserer Gesellschaft. Es ist eine schmerzhafte Wahrheit, die viele nicht ansprechen wollen, aber gerade hier setzt die wertvolle Arbeit des Zentrums an.
Das Kinderpalliativzentrum ist nicht nur ein Ort des Abschieds, sondern auch ein Kraftort für die betroffenen Familien. Es bietet Unterstützung und Begleitung in einer Zeit, in der der Alltag oft unerträglich erscheint. Es ist ein Ort, an dem trotz der begrenzten Zeit versucht wird, die Verbindung zum Leben aufrechtzuerhalten – und das ist etwas Wundervolles. Ein Grund mehr, diesen besonderen Ort zu feiern und ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient.
