Otto Gugger: Ein Erbe der Gemeinschaft und Hoffnung für Münchens Wohnraumsituation
In einem bemerkenswerten Akt der Großzügigkeit hat der 89-jährige Otto Gugger kürzlich beschlossen, sein über 3000 Quadratmeter großes Grundstück samt Wohnhaus in München zu verschenken. Am 14. April hat er den Vertrag unterzeichnet, und das Anwesen wurde auf sage und schreibe 10 Millionen Euro geschätzt. Dabei denkt Gugger nicht nur an die eigene Geschichte, sondern auch an die Zukunft der Stadt. Er möchte, dass Menschen mit normalem Einkommen in München wohnen können, und sieht sein Grundstück nicht als Eigentum, sondern als wertvolles Erbe, das er weitergeben sollte.
Das Grundstück, das 1934 von seinem verstorbenen Vater, einem Arzt, erbaut wurde, hat für Gugger und seine 91-jährige, demenzkranke Schwester eine tiefe emotionale Bedeutung. Schon lange haben die beiden über die Zukunft des „Doktorhauses“ nachgedacht. Schließlich haben sie sich mit der Stiftung „Daheim im Viertel“ zusammengetan, die gegen die exorbitant hohen Mietpreise in München kämpft. Das Besondere an dieser Initiative ist, dass Gugger und seine Schwester ein lebenslanges Wohnrecht im Haus behalten, während das Grundstück in den nächsten 60 Jahren nicht verkauft werden darf.
Ein neuer Wohnraum für alle
In den letzten zehn Jahren sind die Mieten in München um 51,6 Prozent gestiegen – ein wahres Drama für viele. Aktuell kostet eine Neubauwohnung hier rund 25 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Gugger erinnert sich an die Zeiten, als sein Vater nur 20 Reichspfennig pro Quadratmeter zahlte. Um die Situation zu verbessern, sollen im Garten des Grundstücks 25 bis 30 Wohnungen entstehen, die vor allem für Pflegekräfte, junge Familien, Studierende und eine betreute Wohngemeinschaft gedacht sind. Die ersten Bewohner können bereits Ende 2028 einziehen, und die Entscheidung über den Entwurf für das Bauprojekt fällt Mitte August mit einem möglichen Baustart 2027.
Das Projekt wird rund 8 Millionen Euro kosten, wovon 2 Millionen Euro durch Spenden gesammelt werden sollen. Gugger hofft, dass 70 Prozent der Wohnungen für etwa 13 Euro pro Quadratmeter angeboten werden können – das wäre fast die Hälfte der aktuellen Neubaumieten. Ein wahrhaftiger Lichtblick in einer Stadt, die dringend bezahlbaren Wohnraum benötigt. Vor der Schenkung ließ Gugger sogar Dach und Fassade des Hauses erneuern, damit alles gut aussieht und funktioniert.
Gemeinschaft und Zusammenhalt
Ein besonderes Anliegen von Gugger ist es, dass das Grundstück zur Straße hin geöffnet wird. Er plant ein gemeinschaftliches Wohnkonzept, in dem Familien mit Kindern und Menschen mit Inklusionsbedarf ein Zuhause finden sollen. Der Garten soll zu einem Ort des Zusammenkommens werden – für Geburtstagsfeiern, Vorträge und einfach, um Nachbarn zu verbinden. Es ist schön zu sehen, wie jemand mit so viel Herzblut und Lebensgeschichte sich für die Gemeinschaft einsetzt.
In einer Zeit, in der die Stadt München mit einem akuten Mangel an Wohnraum konfrontiert ist, kam der Stadtrat im Mai 2025 zu dem Entschluss, ein kommunales Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau einzuführen. Angesichts leerer Förderkassen des Freistaates Bayern ist diese Initiative mehr als notwendig. Vor diesem Hintergrund wird Gugger’s Engagement umso bemerkenswerter. In München gibt es derzeit etwa 24.000 Haushalte mit Berechtigungsschein für die einkommensorientierte Förderung, die dringend neuen Wohnraum suchen. Hier setzt die Stiftung „Daheim im Viertel“ an und übergibt Immobilien in fürsorgliche Hände – eine Kooperation, die Hoffnung auf Veränderung weckt.
Otto Gugger wird bald 90 Jahre alt, und das ist ein Grund, ihm zu danken – nicht nur für seine Großzügigkeit, sondern auch für seinen unermüdlichen Einsatz, um das Leben in München ein Stückchen lebenswerter zu machen. Das „Doktorhaus“ wird nicht nur ein neues Zuhause für viele, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. Und das ist wahrscheinlich das schönste Erbe, das man hinterlassen kann.
