In München ist der Christopher Street Day (CSD) ein festes Highlight im Kalender der LGBTIQ-Community – ein Ereignis, das den bunten Zusammenhalt und die Vielfalt zelebriert. Doch dieses Jahr wird das bunte Treiben einen etwas anderen Geschmack haben, denn Dietmar Holzapfel, der Wirt des legendären Schwulen-Lokals Deutsche Eiche, hat seine Teilnahme an der Parade abgesagt. Der 69-jährige Gastronom hat am Wochenende das 50-jährige Abiturfest in Ingolstadt auf dem Schirm, das ihm wichtiger zu sein scheint als das Spektakel in seiner eigenen Stadt.

Holzapfel hat sich in den letzten Jahren nicht nur als Wirt, sondern auch als Aktivist einen Namen gemacht. Er äußerte sich kritisch zur Verlegung der CSD-Veranstaltung auf die Ludwigstraße und vermisst dabei das ursprüngliche, kämpferische Flair, das das Fest früher im Gärtnerplatzviertel prägte. „Es ist einfach zu viel Gigantismus mit diesen riesigen Trucks und der schieren Anzahl an Menschen“, sagt er. In seinen Augen hat die Essenz des Feierns und des solidarischen Kämpfens etwas verloren, während große Firmen sich zunehmend ins Geschehen einmischen. Die Abwesenheit des CSU-Wagens in diesem Jahr, die Holzapfel als „unmöglich“ bezeichnet, hat ihn zusätzlich verärgert. Lustig, dass er 2024 mit einer Pappfigur von CSU-Ministerpräsident Markus Söder protestierte – geschmückt mit einer Regenbogenkette und einem Herz, das „Doch dabei“ verkündete. Ein Zeichen für seine Enttäuschung über den politischen Ausschluss.

Ein Bruch mit der Rosa Liste

Doch das ist nicht die einzige Veränderung, die Holzapfel in letzter Zeit durchgemacht hat. Er hat sich von der queeren Wählervereinigung Rosa Liste getrennt. Der Grund? Der Ausschluss der CSU vom Münchner CSD, den er als fadenscheinig und völlig unverständlich empfindet. „Ich habe das aus den Medien erfahren!“, so Holzapfel, der eine Mitgliederbefragung fordert, um mehr Transparenz zu schaffen. Die Rosa Liste, die seit 1989 die Interessen queerer Menschen in München vertritt, hat sich mit diesem Ausschluss selbst ins Abseits manövriert. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass die CSU die Werte des Selbstbestimmungsgesetzes und die geschlechtergerechte Sprache abgelehnt hat.

Von den Organisatoren des CSD – unter anderem Rosa Liste, diversity München, Sub, LesCommunity und Münchner Aids-Hilfe – war Holzapfel immer ein wichtiger Unterstützer. Sein Rücktritt wurde von Thomas Niederbühl, einem Stadtrat der Rosa Liste, bedauert, der Holzapfels Engagement für die Gleichstellung von Homosexuellen lobte, jedoch auch den Wunsch nach einem klärenden Gespräch äußerte, das nie stattfand. Holzapfel hat sich entschieden, keiner neuen Partei beizutreten, um seine Kritik unbefangen äußern zu können.

Ein Blick auf den CSD 2025

Ein bisschen weiter in der Zukunft wird der CSD München 2025 unter dem Motto „Liberté Diversité Queerité“ stattfinden. Die Veranstaltungswochen, die schon bald beginnen, sind eine Antwort auf den zunehmenden Druck, dem LGBTIQ-Personen weltweit ausgesetzt sind. Dominik Krause, der Zweite Bürgermeister von München, hat die Wichtigkeit von Solidarität gegen den Hass betont. Ein besorgniserregender Trend sind die steigenden Übergriffe auf queere Menschen in Deutschland – im Jahr 2024 wurden in Bayern 289 Vorfälle gemeldet, 59 mehr als im Vorjahr. Ein Umstand, der in Zeiten der zunehmenden gesellschaftlichen und rechtlichen Rückschritte umso alarmierender ist.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Vorfreude auf die nächste PolitParade – die für den 28. Juni 2025 geplant ist – wächst, und das Sicherheitskonzept verspricht, die Besucherströme mit einem Ampelsystem zu regeln. Der CSD ist ein wichtiges Zeichen für Demokratie und Selbstbestimmung, das auch in bewegten Zeiten nicht untergehen darf. Auch Holzapfel wird weiterhin seine Stimme erheben, auch wenn er sich momentan von den großen Feiern zurückzieht. Auf seine Openingparty in der Eiche wird er zwar nicht verzichten, aber an der Parade selbst wird er nicht teilnehmen. Ein Wechsel, der nicht nur für ihn, sondern für die gesamte LGBTIQ*-Community in München von Bedeutung ist.