In der Maxvorstadt wird ein Stück Geschichte bald zu Ende gehen. Das traditionsreiche Geschäft Suckfüll, das seit fast einem Jahrhundert besteht, schließt seine Pforten Ende Juli 2026. Inhaber Wolfgang Suckfüll, der das Unternehmen in dritter Generation leitet, hat diese Entscheidung im Dezember 2025 getroffen, nachdem die Verkaufszahlen kontinuierlich gesunken sind. Trotz aller Bemühungen, die 20 Angestellten und die Kunden zu halten, sieht Suckfüll keine Aussicht auf Besserung. Die Stadt München wird dabei für Versäumnisse kritisiert, die dazu geführt haben, dass viele Kunden sich von der Geschäftsstraße abgewandt haben.
Das Geschäft kämpfte seit Jahren mit einer Vielzahl von Herausforderungen. Von der Bürokratie über Baustellen bis hin zur scharfen Konkurrenz durch große Ketten und Online-Anbieter – die Liste der Hürden ist lang. Besonders die Corona-Pandemie stellte eine massive Herausforderung dar, die fast zur Existenzbedrohung führte. Trotz privater Investitionen, um das Unternehmen zu retten, bleibt der Druck auf den Einzelhandel unvermindert hoch.
Ein Einzelhandel im Umbruch
Der deutsche Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch, der auch Suckfüll nicht verschont hat. Während große Ketten und Online-Anbieter mit einem Umsatzplus von fast 11 % aufwarten, kämpfen kleinere und mittelständische Händler mit einer stagnierenden Konsumstimmung. Eine Studie zeigt, dass Haushaltswaren und Eisenwaren stark vom Strukturwandel betroffen sind. Die Ertragslage vieler Unternehmen bleibt angespannt, obwohl ein moderates Umsatzwachstum von rund 2,4 % im Gesamtjahr 2025 erzielt wurde. Die Zahl der Insolvenzen erreichte 2025 mit etwa 2.500 den höchsten Stand seit fast einem Jahrzehnt.
Die Veränderungen im Einzelhandel sind nicht zu übersehen: Discounter, Möbelhäuser und Baumärkte bieten zunehmend Grundsortimente an, die früher die Domäne von Fachgeschäften wie Suckfüll waren. Die Preissensibilität der Kunden steigt, und die Kaufzurückhaltung nimmt zu. Rund jedes dritte Handelsunternehmen rechnet für 2026 mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage. Dies wird durch steigende Kosten in Bereichen wie Energie, Mieten und Logistik noch verstärkt.
Die Zukunft von Suckfüll
Ab dem 30. April 2026 wird der normale Verkauf bei Suckfüll eingestellt, gefolgt von einem Umbau vom 1. bis 5. Mai 2026. Ab dem 6. Mai 2026 beginnt dann der Räumungsverkauf. Wolfgang Suckfüll plant, nur sein Zweitgeschäft für elektronische Zutrittskontrollsysteme weiterzuführen. Leider müssen 13 von 16 Mitarbeitern das Unternehmen verlassen, da die Tochter und der Sohn des Inhabers kein Interesse an der Fortführung des Geschäfts haben.
Die Schließung von Suckfüll ist nicht nur ein Verlust für die Maxvorstadt, sondern auch ein Zeichen für die Herausforderungen, vor denen der Einzelhandel in Deutschland steht. Um in dieser sich wandelnden Landschaft bestehen zu können, ist eine klare Positionierung und Anpassung an neue Kundenbedürfnisse unerlässlich. Händler müssen ihre Geschäftsmodelle transformieren, um flexibler auf Marktveränderungen reagieren zu können.
Insgesamt zeigt der Fall von Suckfüll, wie wichtig es ist, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen. Der Einzelhandel muss sich anpassen, um nicht nur zu überleben, sondern auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Die Geschichte von Suckfüll mag enden, doch die Lessons learned aus diesem Traditionsgeschäft werden hoffentlich nicht in Vergessenheit geraten.