Antigone im Innenhof der Glyptothek: Wenn Tragödie auf modernen Klang trifft
Die Glyptothek in München wird diesen Sommer zur Bühne für ein zeitloses Drama, das die Zuschauer in seinen Bann zieht. Im Innenhof der beeindruckenden Sammlung antiker Kunstwerke wird das Sommertheater mit einer Inszenierung von „Antigone“ zum Leben erweckt. Unter der Regie von Alex Novak wird die tragische Geschichte um Antigone, die ihren Bruder Polyneikes gegen den Willen ihres Onkels Kreon bestattet, neu interpretiert. Das Stück, das auf der berühmten Übersetzung von Friedrich Hölderlin basiert, entführt die Zuschauer in die mythische Welt des alten Theben, wo familiäre Loyalität und staatliche Ordnung aufeinanderprallen.
Mit einer starken Besetzung, bestehend aus Hanna Gandor in der Rolle der Antigone (und Teiresias) sowie Roland Schreglmann, wird das Drama lebendig. Die beiden Schauspieler wechseln dynamisch zwischen ihren Rollen und schaffen es, einen beeindruckenden Sog zu erzeugen, der die Zuschauer fesselt. Gandor, die auch für die Musik verantwortlich ist, bringt mit ihren selbstgeschriebenen Songs einen poppigen Klang in die Tragödie. Kaum zu glauben, dass eine solche Mischung aus modernem Sound und klassischer Tragik so gut harmonieren kann!
Ein Blick auf die Handlung
Die Geschichte entwickelt sich vor dem Hintergrund eines kriegerischen Chaos in Theben. Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, teilen sich die Herrschaft und geraten in einen erbitterten Streit, der in einem tödlichen Duell endet. Kreon, der Onkel der beiden, übernimmt die Macht und erlässt ein Bestattungsverbot für Polyneikes, der als Feind gilt. Doch Antigone, die sich auf die Götter beruft, sieht sich im Recht, ihren Bruder zu beerdigen. Diese Entscheidung stellt nicht nur ihre Loyalität zur Familie auf die Probe, sondern konfrontiert auch Kreon mit der Wahl zwischen seiner autoritären Herrschaft und dem moralischen Recht.
Der Chor, der Antigones Situation kommentiert, wird von Gandor am Keyboard begleitet. Ein besonderes Highlight ist Schreglmanns imaginäres Jazz-Trompetensolo, das dem Stück eine unerwartete Wendung verleiht. Die Inszenierung wird als intensiv beschrieben, und trotz der Ablenkungen durch die Umgebung – man kann schließlich nie sicher sein, was die Münchner Luft noch so alles bereithält – gelingt es dem Ensemble, die Zuschauer in die Welt der Tragödie zu entführen.
Ein Aufruf zur Veränderung
Das Stück endet mit einem eindrucksvollen Bild: Der Ausstellungsraum der Glyptothek erleuchtet und zeigt die antiken Büsten, während ein Aufruf zur Gestaltung einer neuen Zeit durch den Raum schallt. Diese Botschaft, die über die Jahrhunderte hinweg relevant bleibt, regt zum Nachdenken an. Was bedeutet es, für das einzustehen, was man für richtig hält? Und wo ziehen wir die Grenze zwischen persönlicher Überzeugung und den Gesetzen der Gesellschaft?
Die Premiere von „Antigone“ wird in der Spielzeit 2026 erwartet, und die Vorfreude darauf ist bereits spürbar. Mit einer soliden Besetzung aus Gandor und Schreglmann, sowie der kreativen Handschrift von Regisseur Novak, wird die Glyptothek auch weiterhin ein Ort sein, an dem alte Geschichten neu erzählt werden. Und wer weiß, vielleicht wird das Stück die Herzen der Münchner erneut im Sturm erobern!
