In einem der charmantesten Viertel Münchens, genauer gesagt in Haidhausen, stehen die Zeichen auf Protest. Die Bürgerinitiative „Rettet das Unionsbräu“ kämpft leidenschaftlich für die Wiederbelebung eines der letzten Relikte aus der Zeit, als das Unionsbräu ein pulsierender Treffpunkt für Künstler und Musiker war. In der Einsteinstraße 42, wo das denkmalgeschützte Gebäude seit über sechs Jahren leersteht, ist der Verfall unübersehbar. Schimmel und Schäden sind an der Tagesordnung – ganz im Gegensatz zu den lebhaften Nächten der 70er und 80er Jahre, als hier Kabarettisten und Musiker ein- und ausgingen.

Organisiert wird die Initiative von Hatun Tolun und Markus Wagner, die sich tatkräftig Unterstützung von Stofferl Well und Wiggerl Hagn, dem letzten Pächter, holen. Hagn führte das Unionsbräu bis 2012 als Gaststätte mit Hausbrauerei. Die letzte Pacht endete im Oktober 2023, und der letzte Mieter, Igor Divjak, hatte bereits 2020 nach einem Wasserschaden das Handtuch geworfen. Nun ist die Stadt München am Zug. Geplant ist eine Sanierung, die frühestens ab Mitte 2028 beginnen könnte. Doch bis dahin bleibt das Unionsbräu ein Schatten seiner selbst, und die Bürgerinitiative hat große Pläne für das Gebäude. Sie wünschen sich eine Mischnutzung, die Kultur, Nachbarschaft und Gastronomie vereint.

Ein Aufruf zur Wiederbelebung

Am Mittwochvormittag versammelten sich Teilnehmer der Initiative vor dem Unionsbräu und hielten ein Transparent hoch mit der Aufschrift: „Unionsbräu soll leben!“. Ein Slogan, der nicht nur die Hoffnung der Anwohner widerspiegelt, sondern auch die Dringlichkeit, mit der das Gebäude dringend saniert werden muss. Die Stadt hat bereits bestätigt, dass erheblicher Sanierungsbedarf besteht. Eine Machbarkeitsstudie zur künftigen Nutzung liegt vor, doch die Finanzierung bleibt unsicher. Vorschläge für Büroräume und Fitnessstudios wurden von der Initiative vehement abgelehnt – das Unionsbräu soll ein Ort für alle sein, kein steril eingerichteter Arbeitsplatz.

Das Gebäude selbst erzählt eine bewegte Geschichte. 1885 von Joseph Schülein gegründet, einem sozial engagierten Mann, der das Unionsbräu zu einem wahren Ort der Begegnung ausbaute, hat das Haus bis heute nichts von seiner historischen Bedeutung verloren. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an Schüleins Erbe. Tatsächlich wurde das Unionsbräu 1895 von der jüdischen Brauerfamilie Schülein erworben und ausgebaut. Historische Bedeutung hat es also allemal. Schade nur, dass die einstige Lebendigkeit in den vergilbten Mauern längst verklungen ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Bürgerinitiative plant auch eine Podiumsdiskussion, um die Zukunft des Gebäudes zu diskutieren. Der Stadtrat wird bald über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie entscheiden müssen. Während die Stadt mit hohen Sanierungskosten rechnet, bleibt die Frage, wie die Finanzierung gesichert werden kann. Der Wunsch nach einer Rückkehr zur alten Glanzzeit des Unionsbräu wird von den Anwohnern lautstark geäußert. „Wir wollen, dass unser Stadtteil lebt,“ sagt ein Teilnehmer des Protests, und die Begeisterung ist deutlich spürbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt diesem Aufruf Gehör schenkt und das Unionsbräu nicht nur renoviert, sondern auch mit neuem Leben füllt.

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Mit jedem Tag, den das Gebäude leer steht, schwindet die Hoffnung auf eine Wiederbelebung. Doch die Bürgerinitiative gibt nicht auf und kämpft weiter für die Rückkehr eines kulturellen Erbes, das so viele Münchner Herzen in der Vergangenheit berührt hat. Die Zeit wird zeigen, ob der Traum vom Unionsbräu als lebendiger Ort der Begegnung Realität wird oder ob es weiterhin als traurige Ruine in der Einsteinstraße verweilen muss.