Wenn man durch Giesing schlendert, kann man an der Martin-Luther-Straße einfach nicht vorbeigehen, ohne einen Blick auf das imposante Mural zu werfen. Ja, wir sprechen von Münchens größtem Wandbild, das schon seit 2019 die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zieht. Erschaffen hat es der talentierte Street-Art-Künstler Markus Müller, besser bekannt als WON ABC. Anlässlich des 100. Geburtstags des Freistaats Bayern hat er damit den Vorkämpfern der bayerischen Räterepublik von 1918 ein Denkmal gesetzt. Und glaubt mir, die Figuren, die darauf abgebildet sind – Kurt Eisner, Sarah Lerch-Rabinovitz, Erich Mühsam, Gustav Landauer und Ernst Toller – strahlen in leuchtenden Pink- und Hellblautönen, während ihre Widersacher in einem eher tristen Braun gehalten sind. Ein auffälliger Kontrast, der nicht nur die Farblehre des Künstlers, sondern auch die politischen Kämpfe dieser Zeit widerspiegelt.
Mit insgesamt etwa 500 Kilo Farbe ist die Wand ein echtes Schwergewicht in der Münchner Street-Art-Szene. Aber die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, und so muss das Mural nun restauriert werden. Der Bezirksausschuss Obergiesing hat sich bereit erklärt, die Sanierung mit 2855 Euro aus seinem Budget zu finanzieren. Die Stadtwerke haben lediglich die Wand zur Verfügung gestellt. Wie schön, dass sich die Gemeinschaft um den Erhalt dieses Kunstwerks kümmert! Schließlich ist das Mural nicht nur ein optisches Highlight, sondern wird mittlerweile auch bei Stadtführungen durch Giesing präsentiert. Ein Grund mehr, den Stadtteil zu erkunden!
Von der Idee zur Umsetzung
Die Entstehung dieses Meisterwerks war kein schnelles Unterfangen. WON und seine Kollegen vom Art Bombing Clan (ABC) arbeiteten eineinhalb Monate an der Umsetzung. Die Kosten für das Mural beliefen sich auf stolze 26.000 Euro, die von der Stadt und der Sparkasse finanziert wurden. Das Graffiti, das vermutlich das größte in München ist, wurde an der ehemaligen Umspannanlage der Stadtwerke gemalt – ein Ort, der mit seiner industriellen Architektur dem Kunstwerk zusätzlichen Charakter verleiht.
WON selbst sieht Graffiti als eine Form der Gegenkultur, die sich gegen den etablierten Kunstmarkt auflehnt. Mit seinem Werk möchte er die abgebildeten Personen, die politische Gegner ihrer Zeit waren, in Erinnerung halten. Ehrlich gesagt, das ist eine großartige Absicht, die in der heutigen Zeit mehr denn je wichtig ist. Es geht nicht nur um Farben und Formen, sondern um die Geschichte, die sie erzählen.
Kulturelles Erbe in Giesing
Es ist spannend zu sehen, wie Kunst und Geschichte in Giesing miteinander verwoben sind. Das Mural erinnert nicht nur an die Räterepublik von 1918, sondern lässt auch Raum für Diskussionen über aktuelle politische Themen. Kunst hat die Kraft, Menschen zusammenzubringen, und hier in Giesing wird das ganz deutlich. Das Graffiti ist nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch ein Anstoß zum Nachdenken. Wie oft passiert es, dass man in der Hektik des Alltags an solchen Erinnerungen vorbeigeht?
Am Ende des Tages bleibt das Mural ein Symbol für einen Teil der Münchner Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten sollte. Wenn ihr also das nächste Mal in der Nähe seid, haltet an, schaut hin und lasst euch von der Farbenpracht und der Botschaft inspirieren. Vielleicht entdeckt ihr sogar noch ein paar Details, die euch vorher entgangen sind. Giesing ist mehr als nur ein Stadtteil – es ist ein lebendiges Geschichtsbuch, das an jeder Ecke erzählt wird.