Am 22. Juli 2026 wird in Moosach ein ganz besonderer Tag sein – und das aus einem sehr ernsten Grund. Um 16 Uhr versammeln sich Menschen vor dem Denkmal „Für Euch“ am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), um den Opfern des rassistischen Terroranschlags von 2016 zu gedenken. Einlass ist bereits ab 15 Uhr, und es wird erwartet, dass viele Münchnerinnen und Münchner kommen, um sich zu erinnern und ihre Solidarität zu zeigen.

Besonders prominent wird die Veranstaltung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Oberbürgermeister Dominik Krause begleitet. Auch Angehörige der Opfer werden zu Wort kommen und die Namen der neun überwiegend jungen Menschen verlesen, die an diesem schrecklichen Tag ihr Leben verloren. Armela, Can, Selçuk, Sabine, Roberto, Guiliano, Hüseyin, Dijamant und Sevda – ihre Geschichten dürfen nicht vergessen werden. Um 17:51 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, wird eine Schweigeminute und Kranzniederlegung stattfinden, eine stille Ehrung für die, die nicht mehr unter uns sind.

Ein Tag der Erinnerung und des Nachdenkens

Zur Erinnerung an diesen Tag wird die Münchner Verkehrsgesellschaft den Betrieb einstellen. Das ist nicht nur ein praktisches Zeichen, sondern auch ein starkes Statement in einer Stadt, die mit ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart konfrontiert wird. Eine Gedenktafel, die im Prunkhof des Rathauses enthüllt wird, soll ebenfalls dazu beitragen, die Erinnerung wachzuhalten. Die Stadt München hat in enger Zusammenarbeit mit Angehörigen und Hinterbliebenen viele Schritte unternommen, um das Gedenken zu fördern, einschließlich eines Gedenkraums, der seit April 2025 in Moosach geöffnet ist.

Doch das Gedenken hat auch seine Schattenseiten. Angehörige der Opfer fordern seit Jahren eine vollständige Aufklärung des Falls und kritisieren das Schweigen und die Nachlässigkeit der Behörden. Sibel Leyla, die Mutter von Can, hat wiederholt betont, wie wichtig es ist, die rechtsextreme Motivation des Täters anzuerkennen. Lange Zeit wurde diese Tatsache ignoriert, und erst drei Jahre nach dem Anschlag wurde sie offiziell anerkannt. Es ist eine schmerzhafte Realität, dass die Geschichte der Opfer oft von den Behörden und der Gesellschaft nicht ausreichend gewürdigt wird. Gisela Kollmann, Großmutter von Guiliano, hat gefordert: „Taten statt Worte!“ – ein Aufruf, der in den Herzen vieler sitzt.

Ein Teil der Gesellschaft

Die Gedenkveranstaltung wird auch musikalische Beiträge umfassen, und der offizielle Teil endet gegen 19 Uhr. Am Marienplatz werden Fahnen gehisst, um die Erinnerung sichtbar zu machen. Es ist eine Gelegenheit, innezuhalten, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft mit den Herausforderungen von Rassismus und Gewalt umgehen. Experten und Vertreter von Initiativen werden ebenfalls präsent sein, um über die Kontinuität rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland zu sprechen. Es ist kein Einzelfall, und die Welle der Gewalt hat viele Gesichter – die Rückschläge nach dem NSU und die Anschläge in Solingen und Hanau sind schmerzhafte Erinnerungen, die uns mahnen sollten, nicht wegzuschauen.

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München hat eine hohe Zahl an Opfern von Rechtsterrorismus zu beklagen, und der interfraktionelle Antrag für einen Gedenktag im nächsten Jahr – dem zehnten Jahrestag des Anschlags – zeigt, dass das Gedenken an diese dunkle Zeit nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Stimmen der Angehörigen und Überlebenden sind von entscheidender Bedeutung, um ein vollständiges Bild der Geschehnisse zu zeichnen. Hüseyin Bayri, ein Überlebender des Anschlags, hat betont, dass die Geschichten der Opfer erzählt werden müssen – sie sind Teil unserer Gesellschaft, Teil unserer Geschichte.

Der Umgang mit der Erinnerung an rechtsextremistische Gewalt in Deutschland hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Früher war das kollektive Gedächtnis geprägt von Schweigen und Ausklammern. Heute gibt es einen wachsenden Willen, sich den ungeschönten Wahrheiten zu stellen und eine inklusive Erinnerungskultur zu entwickeln. Es ist an der Zeit, dass wir uns nicht nur an die großen Verbrechen der Vergangenheit erinnern, sondern auch an die kleineren, oft übersehenen Tragödien. Die Stimmen der Betroffenen sind entscheidend, um die Geschichte vollständig zu erzählen und um sicherzustellen, dass sich solche Taten nicht wiederholen.