Heute, am 26. Juni 2026, wird in München ein Kapitel der Justizgeschichte geschlossen. Milos M. sitzt seit Juni 2025 im Gefängnis in Stadelheim und wird heute im alten Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße erwartet. Er wird beschuldigt, in zwei Fällen versucht zu haben, seine frühere Lebensgefährtin und deren Freund mit einem Messer zu verletzen. Der Sitzungssaal B175, in dem die Verhandlung stattfindet, ist einer der letzten, die hier noch genutzt werden – ein Raum, der bald in den Geschichtsbüchern der Münchner Justiz verankert sein wird. Denn das alte Gebäude wird demnächst geschlossen, um Platz für das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz zu schaffen.

Das neue Zentrum, das stolze 430 Millionen Euro gekostet hat und über einen Zeitraum von zehn Jahren erbaut wurde, ist ein wahres Schmuckstück. OLG-Präsident Hans-Joachim Heßler hat das neue Gebäude als „Schmuckstück von Justizgebäude“ bezeichnet. Hier werden die Strafrechtsabteilungen von vier Gerichten und zwei Staatsanwaltschaften unter einem Dach vereint. Insgesamt umfasst der Neubau 850 Büros und 54 Gerichtssäle, darunter einen beeindruckenden Schwurgerichtssaal von 300 Quadratmetern, der nach den Städten Illertissen und Neu-Ulm benannt wurde. Eine wahre Meisterleistung der Architektur, die sich auch in den lichtdurchfluteten Räumen und den Eichenvertäfelungen widerspiegelt.

Ein Umzug der Superlative

Der Umzug von 300.000 Kisten und 1.500 Lkw-Fahrten ist eine logistische Herausforderung, die nicht nur die Justiz, sondern auch die Stadt in Atem hält. Während die Verhandlung von Milos M. weitergeht, stehen Umzugskartons um den Sitzungssaal verteilt. Justizwachtmeisterin Maria Fenakova, die am Montag im neuen Gebäude arbeiten wird, ist an diesem letzten Tag im alten Zentrum noch im Dienst. Sie hat hier viele Einlasskontrollen durchgeführt, dabei Drogen gefunden und zahlreiche Anekdoten gesammelt. Ihre Erinnerungen an die letzten Monate sind geprägt von emotionalen Erlebnissen, die das alte Strafjustizzentrum so einzigartig gemacht haben.

Der Umzug ist nicht nur eine Frage des Transports von Akten und Möbeln – es ist der Abschluss eines Kapitels. Das alte Gebäude, in dem bedeutende Prozesse stattfanden, darunter der NSU-Prozess und der Prozess gegen John Demjanjuk, wird bald Geschichte sein. Die Ungewissheit über die Zukunft des alten Strafjustizzentrums bleibt. Kritiker fordern, dass das Gelände für bezahlbaren Wohnraum genutzt wird – ein wichtiges Thema in einer Stadt, die unter Wohnraummangel leidet.

Ein Blick in die Zukunft

Im neuen Strafjustizzentrum wird die erste Verhandlung voraussichtlich im Jahr 2026 stattfinden. Die zentrale Unterbringung aller Strafgerichte und Staatsanwaltschaften in München ist ein Signal für einen starken Rechtsstaat, so Ministerpräsident Markus Söder. Die größte Hochbaumaßnahme des Freistaates Bayern zeigt sich nicht nur in der Dimension, sondern auch in der durchdachten Planung: Drei Innenhöfe und ein öffentlich zugänglicher Justizgarten bieten Raum für Erholung. Ein modernes Gebäude, das mit einem passivhausähnlichen Standard errichtet wurde und großen Wert auf Barrierefreiheit und nachhaltige Energienutzung legt.

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Die Einweihung des Neubaus hat bereits stattgefunden, doch der Umzug ist ein Prozess, der noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Verzögerungen, die durch kontaminierten Erdaushub, Klagen und die Corona-Pandemie verursacht wurden, sind nun überwunden. Das neue Justizzentrum wird nicht nur die Justiz in München zentralisieren, sondern auch die Abläufe effizienter gestalten, sodass die Mitarbeiter unter besten Bedingungen arbeiten können.

Wie sich die Münchner Justiz in diesem neuen, modernen Umfeld entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Der heutige Verhandlungstag ist nicht nur für Milos M., sondern auch für die gesamte Stadt ein bedeutender Tag.