Neun Jahre nach dem Anschlag: Münchens Kampf gegen das Vergessen und die Realität des Rechtsextremismus
Heute ist der 22. Juli 2026. Es ist ein Tag, der in den Köpfen vieler Münchnerinnen und Münchner, in den Herzen der Angehörigen der Opfer und in den Erinnerungen an einen schrecklichen Anschlag fest verankert ist. Vor neun Jahren, am 22. Juli 2016, geschah im McDonald’s-Restaurant im Stadtteil Moosach etwas Unbegreifliches. Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner eröffnete das Feuer auf eine Gruppe von Jugendlichen. Chaos und Panik breiteten sich aus, als die Kugeln durch die Luft flogen. Neun junge Menschen, darunter die 14-jährige Armela Segashi, verloren an diesem Tag ihr Leben. Ein 13-jähriger Junge wurde lebensgefährlich verletzt. Das war der Beginn eines Albtraums, der für die Hinterbliebenen nie enden wird.
Die Nacht des Anschlags war geprägt von Schreien, Angst und dem unaufhörlichen Wummern der Sirenen. Um 17:51 Uhr begann das Unheil und führte zu 73 Meldungen über angebliche Schießereien, die sich als Phantom-Tatorte herausstellten. Die Ermittlungen stufte die Tat zunächst als Amoklauf eines psychisch kranken Mobbing-Opfers ein. Doch 2019 wurde die grausame Wahrheit offenbar: Es war ein rechtsextrem und rassistisch motivierter Anschlag. Der Täter wählte seine Opfer gezielt aus, und dies geschah am fünften Jahrestag eines anderen rechtsterroristischen Anschlags, der in Norwegen verübt wurde. Diese Verbindung ist ein erschreckendes Zeugnis von der anhaltenden Gefahr, die von rechtsextremem Gedankengut ausgeht.
Ein Gedenken, das niemals enden sollte
Heute, neun Jahre später, gedenken Hunderte Münchnerinnen und Münchner der Opfer des rassistischen Terroranschlags. Die Namen der Getöteten, Armela, Can, Selçuk, Sabine, Roberto, Guiliano, Hüseyin, Dijamant und Sevda, sind in den Herzen vieler Menschen lebendig. Ihre Angehörigen fordern nach wie vor eine vollständige Aufklärung des Falls und kritisieren das Schweigen und die Nachlässigkeit der Behörden. Sibel Leyla, die Mutter von Can, hebt die Notwendigkeit hervor, die rechtsextreme Motivation des Täters klar zu erkennen und zu benennen. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft begreift, dass solche Taten nicht einfach aus dem Nichts kommen.
Ein Gedenkraum im Stadtteil Moosach wurde eingerichtet, um an die Opfer zu erinnern, doch die versprochenen Stelen an ihren Gräbern stehen noch aus. Münchens zweiter Bürgermeister, Dominik Krause, äußert die Hoffnung auf baldige Umsetzung der versprochenen Maßnahmen. Die Familien der Opfer fühlen sich oft nicht respektiert und fordern nicht nur Worte, sondern Taten. Gisela Kollmann, Großmutter von Guiliano, verlangt eine Gedenktafel an seinem Grab. Es gibt einen Antrag im Stadtrat für einen offiziellen Gedenktag zum zehnten Jahrestag des Anschlags. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber wird er ausreichend sein?
Die Realität des Rechtsextremismus
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2025 registrierte der Verfassungsschutz rund 15.600 gewaltorientierte Rechtsextremisten in Deutschland. Die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten hat sich mittlerweile auf über 25.000 erhöht. Die Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund steigen ebenfalls, was auf eine besorgniserregende Entwicklung hinweist. Diese Zahlen sind nicht nur Statistiken; sie sind das Echo eines gesellschaftlichen Problems, das nicht ignoriert werden kann. Es ist eine Realität, die in den Köpfen vieler Menschen, die mit den Konsequenzen dieser Gewalt leben müssen, immer präsent ist.
Hüseyin Bayri, ein Überlebender des Anschlags, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichten der Opfer zu erzählen. Er glaubt, dass das Bewusstsein für solche Taten unerlässlich ist, um die Gesellschaft zu sensibilisieren und um sicherzustellen, dass sich ähnliche Tragödien nicht wiederholen. „Wir sind Teil dieser Gesellschaft und keine Gäste“, sagt Sibel Leyla. Diese Worte beschreiben nicht nur den Schmerz der Betroffenen, sondern auch den unermüdlichen Willen, gegen das Vergessen anzukämpfen.
Was bleibt, ist die Erinnerung. Eine Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse von damals, an die Gesichter der Verstorbenen, an die Schreie der Überlebenden. Es ist die Verantwortung der gesamten Gesellschaft, sich diesen Erinnerungen zu stellen und aus ihnen zu lernen. Denn nur so kann man Hoffnung auf eine bessere Zukunft schöpfen, eine Zukunft, in der solch grausame Taten der Vergangenheit angehören.
