Heute ist der 2. Juni 2026 und ich sitze hier in Untergiesing, um über ein bemerkenswertes Kapitel der Geschichte zu berichten, das uns in München und darüber hinaus berührt. Es geht um die Lebensgeschichte von Annemie Wolff, einer mutigen Fotografin und Widerstandskämpferin, sowie ihrem Mann Helmuth Wolff, einem talentierten Architekten. Ihre Geschichte ist nicht nur eine von Verlust und Überleben, sondern auch von Hoffnung und Menschlichkeit in dunklen Zeiten.

Annemie Gundel wurde am 27. Dezember 1906 in Laufen an der Salzach geboren, als Tochter von Heinrich Koller und Maria Apollonia Gundel. Aufgewachsen in München, absolvierte sie ihr Abitur in einem katholischen Mädcheninternat. Nach einer Ausbildung zur Fotografin in der bayerischen Landeshauptstadt machte sie sich schnell einen Namen. 1932 heiratete sie Helmuth Wolff, und kurz darauf, 1933, flohen sie vor den Nationalsozialisten in die Niederlande. Ein mutiger Schritt, der ihr Leben für immer verändern sollte.

Ein Leben im Widerstand

In Amsterdam eröffneten die beiden das Fotostudio Wolff, wo Annemie mit ihrer Kamera ein Zeichen setzte. Ihre Aufnahmen für Zeitschriften und Unternehmen, darunter die Firma von Otto Frank, wurden schnell bekannt. Doch mit dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 änderte sich alles. Der verzweifelte Selbstmordversuch des Paares war ein Ausdruck ihrer Angst und Hilflosigkeit. Helmuth überlebte diesen tragischen Moment nicht, doch Annemie fand den Mut, weiterzumachen und ihren Widerstand gegen die Besatzung zu leisten.

Bis zu 40 jüdische Menschen versteckte sie auf ihrem Dachboden, während sie gleichzeitig illegale Fotos machte. Diese Bilder waren nicht nur Zeugnisse des Schreckens, sondern auch ein Akt des Widerstands. Zwischen 1943 und 1945 entstanden mehr als 400 Aufnahmen von Menschen, die vor der Deportation bedroht waren. Ihre akribischen Aufzeichnungen halfen später bei der Identifizierung der Porträtierten. Annemie Wolff wurde zu einer stillen Heldin, deren Arbeit erst Jahrzehnte später anerkannt wurde.

Architektur und Erinnerung

Helmuth Wolff, der Architekt, entwarf während seiner Zeit in München mehrere Wohnanlagen, darunter den „Grünen Block“ in Bogenhausen und den „Isarblock“ in Untergiesing. Sein Stil war eine gelungene Mischung aus Moderne und Münchner Tradition. Neben diesen Wohnprojekten eröffnete er 1929 das erste Kino in Bogenhausen, die „Kamera-Lichtspiele“. Seine Architektur erzählt Geschichten, die heute noch in der Stadt zu finden sind.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Eine Ausstellung über Helmuth Wolff, „Architektur, Exil, Neuanfang: Werk und Biografie des Architekten Helmuth Wolff“, ist bis zum 12. Juni in der Neuen Ziegelei in München zu sehen. Hier wird deutlich, wie eng die Verbindung zwischen Annemie und Helmuth war – sie ergänzen sich in ihrem Schaffen und ihrem Kampf gegen das Unrecht.

Würdigung und Erbe

Der niederländische Fotohistoriker Simon B. Kool entdeckte 2008 ein Foto-Archiv mit tausenden Bildern, darunter 100 Fotorollen von Annemie’s Meisterwerk. Diese Porträts zeigen die Gesichter von 440 jüdischen Menschen und wurden 2017 in der Ausstellung „Lost Stories, Found Images: Portraits of Jews in Wartime Amsterdam“ präsentiert. Diese Ausstellung war ein wichtiger Schritt, um die Geschichten der Porträtierten zu erzählen und ihre Schicksale ins Licht zu rücken.

Doch in Deutschland wurden die begleitenden Bücher, wie „Uit de vergetelheid“ und „Op de foto in oorlogstijd“, nicht übersetzt. Es ist fast schon tragisch, dass eine so wichtige Geschichte nicht den Platz bekommt, den sie verdient. Annemie Wolff starb am 2. Februar 1994 in Amsterdam, aber ihr Vermächtnis lebt weiter. Ihre Arbeit und ihr Mut sind ein eindringlicher Teil der Erinnerungskultur, die wir niemals vergessen sollten.

Ein Blick auf die Geschichte des Widerstands zeigt: Die jüdische Bevölkerung hat in diesen dunklen Zeiten Mut und Entschlossenheit bewiesen. Der Kampf gegen das Unrecht und die Verfolgung war und ist ein Teil dieser Geschichte. Und auch wenn die Schatten der Vergangenheit schwer wiegen, so ist es der unermüdliche Geist von Menschen wie Annemie und Helmuth Wolff, der uns inspiriert, für eine bessere Zukunft zu kämpfen.