Wasserbomben oder Gewalt? Ein Vorfall in Ismaning wirft Fragen auf
In Ismaning, einem Stadtteil im Münchner Umland, sorgte ein Vorfall am S-Bahnhof für Aufregung und Besorgnis. Am Donnerstag, dem 28. Mai, gegen 19:20 Uhr, wurde eine 63-jährige Frau von einer Wasserbombe getroffen, als sie gerade eine S-Bahn verließ. Der Aufprall war so heftig, dass sie stürzte und sich dabei erhebliche Verletzungen zuzog. Komischerweise geschah das alles durch einen Sichtschacht, der von der Straßenebene auf den unterirdischen Bahnsteig führt – das klingt fast wie aus einem Film, oder? Eine unbekannte junge Frau eilte zur Hilfe und half der Sturzopferin auf die Beine, während diese sich über ihre zerkratzte Sonnenbrille und das beschädigte Display ihres Handys beschwerte. Ein zweiter Wurf eines ähnlichen Geschosses hatte bereits gegen 18:52 Uhr einen unbekannten Mann knapp verfehlt. Die Bundespolizei hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgenommen.
Man fragt sich, was in den Köpfen derjenigen vorgeht, die solche Dinge tun. Wasserbomben werfen, das hat für viele etwas Spielerisches, Erinnerungen an unbeschwerte Sommertage. Doch in diesem Fall wird es schnell ernst. Die Polizei sucht Zeugen, die etwas zu den Vorfällen sagen können – falls jemand etwas gesehen hat, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 089 515550 0 zu melden. Vielleicht hat jemand die junge Frau gesehen, die der Verletzten zur Seite stand. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell aus einem harmlosen Spaß eine gefährliche Situation entstehen kann.
Ein Blick über den Tellerrand
Das Thema Wasserbomben ist nicht neu und hat sich in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. In Köln beispielsweise wurden vier Schüler wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, nachdem sie einen anderen Jungen leicht mit Wasserbomben verletzt hatten. Dabei kam eine „Playtastic“-Schleuder zum Einsatz, mit der man die Geschosse bis zu 100 Meter weit schießen kann. Das Landgericht Köln entschied, dass diese Schleuder nicht als gefährliche Waffe eingestuft werden kann, aber die Anklage wegen gemeinschaftlichen Handelns blieb bestehen. In der Vergangenheit führte derartige „Spaß“ sogar zu Wasserschlachten zwischen rivalisierenden Schulen. Vor dem Humboldt-Gymnasium flogen Wasserbomben, Eier und sogar Böller. Das hat nichts mehr mit harmlosen Scherzen zu tun. Zwei Schüler erlitten dabei schwere Gesichts- und Kopfverletzungen.
Was macht die Jugend heutzutage nur? Die Frage stellen sich viele, besonders wenn man die aktuellen Statistiken zur Gewalt an Schulen betrachtet. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) gab es 2024 mehr als 28.000 Gewalttaten an Schulen in Deutschland, ein Anstieg von 37,1 Prozent im Vergleich zu 2022. Besonders Bayern verzeichnete einen Anstieg von 36 Prozent in den letzten zwei Jahren. Lehrkräfte berichten von zunehmenden Gewaltproblemen, und 60 Prozent der Schulleiter glauben, dass die Gewalt in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. Der Rückgang der sozialen Interaktionen während der Corona-Pandemie hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen.
Es bleibt zu hoffen, dass solche Vorfälle wie in Ismaning nicht zum Alltag werden und dass die Jugendlichen lernen, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden sollten – selbst bei vermeintlich harmlosen Spaßaktionen. Die Suche nach einer Lösung, die sowohl für Sicherheit als auch für den Erhalt von Spaß und Freude in der Jugend sorgt, bleibt eine große Herausforderung.
