Heute ist der 13.07.2026 und in Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln brodelt es gewaltig. Der Bezirksausschuss hat die Zügel in die Hand genommen und fordert mit Nachdruck den Ensembleschutz für das bemerkenswerte Gebäude „Südlicht“ an der Hofmannstraße in Obersendling. Warum das Ganze? Nun, es gibt Vorbescheidsanträge, die – man kann es kaum glauben – einen Abriss des Gebäudes ermöglichen könnten. Ein echtes Schreckensszenario für Architekturfreunde und Stadtliebhaber.

Das „Südlicht“ wurde 1990 nach den Plänen des renommierten Architekten Richard Meier errichtet, einem Pritzker-Preisträger, dessen Entwürfe für strahlend weiße Fassaden und klare geometrische Formen bekannt sind. Doch inmitten dieser architektonischen Schönheit schwebt ein Schatten – Richard Meier ist in eine #metoo-Affäre verwickelt, die seine Karriere nachhaltig beeinflusst hat. Er trat 2018 von der Führung seines Unternehmens zurück, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen ihn erhoben wurden. Das wirft natürlich Fragen auf, ob man das Werk von seiner Person trennen kann.

Ein geteiltes Echo

Die Mitglieder des Bezirksausschusses scheinen sich nicht einig zu sein. Alexander Aichwalder von den Grünen äußerte, dass die Vorwürfe die Entscheidung erschweren, unterstützt aber dennoch den Antrag auf Denkmalschutz. Johanna Vocht, ebenfalls von den Grünen, stellte klar, dass es hier um den Erhalt des Werkes und nicht um die Person Meier gehe. Auf der anderen Seite lehnt Susanne Pusch von der Linken den Antrag ab, weil sie das Werk nicht von seinem Urheber trennen kann. Ein echtes Dilemma, das nicht nur die Politik beschäftigt, sondern auch die Münchner Stadtgesellschaft.

Michael Kollatz von der SPD wies auf die städtebaulichen Folgen eines möglichen Abrisses hin. Man fragt sich, was aus dem urbanen Landschaftsbild wird, wenn ein solch bedeutendes Bauwerk verschwinden sollte. Der Bezirksausschuss hat sich entschieden, die Untere Denkmalschutzbehörde aufzufordern, die Denkmalwürdigkeit des Gebäudekomplexes zu prüfen. Ein Schritt in die richtige Richtung, könnte man meinen.

Die Zeit drängt

Die Uhr tickt, und die Zeit drängt. Der Denkmalschutz muss rechtzeitig greifen, um das drohende Abrissszenario und die mögliche Entstehung eines Gewerbeparks zu verhindern. Die Mitglieder des Bezirksausschusses sehen das „Südlicht“ als herausragendes Beispiel der Architektur der frühen 1990er-Jahre. Ein Erbe, das es zu bewahren gilt – oder soll man das in Anbetracht der Vorwürfe gegen Richard Meier wirklich hinterfragen?

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Was bleibt, ist die Frage, wie die Stadt mit ihren architektonischen Schätzen umgehen möchte. Die Auseinandersetzung um das „Südlicht“ könnte ein Beispiel dafür sein, wie wir als Gesellschaft mit den Produkten von Menschen umgehen, deren Taten moralisch fragwürdig sind. Die Diskussion ist eröffnet, und die Münchner stehen vor der Herausforderung, ein Stück ihrer architektonischen Identität zu bewahren, während sie gleichzeitig die komplexen menschlichen Geschichten dahinter reflektieren.