Die Stimmung war großartig beim „Isle of Summer“-Festival in Riem, an einem Tag, der voller Musik und guter Laune steckte. Doch dann kam es für die schottische DJane Hannah Laing (31) und ihre Cousine zu einem unerwarteten Wendepunkt. Nach ihrem Auftritt am 9. Mai, der vor Tausenden von Fans stattfand, wollten die beiden nur kurz zu den Dixi-Toiletten. Was dann geschah, ließ die gute Stimmung schnell kippen.
Kaum hatten sie die Toilette verlassen, wurden sie von vier Zivilpolizisten abgeführt. Die Frauen wurden in ein Polizeizelt gebracht, wo eine Durchsuchung stattfand, die Hannah als erniedrigend beschrieb. „Es war eine invasive Durchsuchung, und ich hatte das Gefühl, dass die Beamtin meine Hände festhielt“, erinnerte sich Laing. Auch ihre Cousine war sichtlich betroffen und weinte vor Scham. In diesem Moment schien die fröhliche Festivalatmosphäre in weite Ferne gerückt.
Unverständnis und Sprachbarrieren
Ein Schild an den Toiletten informierte über die Regelung, dass die Kabinen nur einzeln betreten werden dürfen – allerdings nur auf Deutsch. Das Verständnis für diese Vorschrift war bei den beiden Frauen nicht gegeben, was die Situation zusätzlich komplizierte. Laing äußerte, dass sie bei Kenntnis der Intimität dieser Kontrolle das Festival eher verlassen hätten. „Das hätte ich mir echt anders gewünscht“, sagte sie später.
Laut Polizei handelte es sich um eine Standardkontrolle aufgrund des Verdachts auf Drogenkonsum. Dennoch bleibt ein schales Gefühl zurück. Die Sichtung von Intimzonen sei rechtlich zulässig, so die Beamten, und letztlich wurde bei der Durchsuchung nichts gefunden. Die Beamtin, die die Durchsuchung durchführte, hatte anscheinend nichts gegen die Vorschriften verstoßen. Aber die Frage bleibt: Wie viel Intimität darf im Namen der Sicherheit verletzt werden?
Kritik und Verteidigung
Das Polizeipräsidium verteidigte das Vorgehen der Beamten und verwies auf die Notwendigkeit solcher Kontrollen bei Festivals, wo Drogenkonsum ein bekanntes Problem darstellt. Aber ist es wirklich gerechtfertigt, dass solche Maßnahmen auf Kosten der Würde von Festivalbesuchern gehen? Hannah Laing hat bisher keine Anzeige gegen die Polizei erstattet oder eine offizielle Beschwerde eingereicht. Vielleicht überlegt sie es sich noch, vielleicht will sie einfach nur weitermachen und den Vorfall hinter sich lassen.
Auch wenn die Musik und die Atmosphäre für viele eine Flucht aus dem Alltag bieten, zeigt dieser Vorfall, dass hinter den Kulissen manchmal ganz andere Geschichten ablaufen. Die Frage nach der Balance zwischen Sicherheit und persönlicher Freiheit muss immer wieder neu diskutiert werden – nicht nur in der Welt der Festivals, sondern in der Gesellschaft insgesamt.