Der TSV 1860 München, ein Traditionsverein mit einer bewegten Geschichte, steht an einem Scheideweg. Während die Fans mit einem mulmigen Gefühl in den Magen auf die Ereignisse blicken, hat der Verein an einem entscheidenden Punkt angekommen, der alles verändern könnte. Ein kompletter Kaderumbau ist nötig, denn aktuell gibt es nicht einen einzigen Spieler, der für die anstehende Regionalliga-Saison zur Verfügung steht. Sechs Jahre nach dem letzten Abstieg aus der 2. Bundesliga muss der Verein erneut in die Regionalliga Bayern absteigen – und das nicht gerade freiwillig.
Die finanzielle Situation des Vereins ist angespannt. Ein fehlender Millionenbetrag für die Lizenz zur 3. Liga hat die Dinge ins Rollen gebracht. Jetzt sind es nur noch acht Profis mit Regionalliga-Verträgen, die an die KGaA gebunden sind. Diese KGaA existiert momentan wie eine leblose Hülle neben der neuen Spiel-GmbH des Vereins, dem e.V. Die Stimmung unter den Fans ist alles andere als positiv. „Ehrlich gesagt, ich hab das Gefühl, der Verein könnte verschwinden“, äußert sich ein besorgter Anhänger. Die ständigen internen Streitigkeiten, vor allem zwischen dem e.V. und Investor Hasan Ismaik, tragen nicht zur Beruhigung bei.
Die Herausforderung der Zukunft
Die Fragen zur Zukunft sind drängend: Was passiert mit den bereits bezahlten Dauerkarten? Fans könnten auf ihrem Geld sitzen bleiben, falls die KGaA abgewickelt wird. Ein Not-Geschäftsführer, Manfred Paula, hat noch keinen Insolvenzantrag gestellt, aber die Frist läuft bis Anfang Juli. „Das sind alles nicht gerade rosige Aussichten“, denkt manch einer, während die Verantwortlichen ein junges Team mit ein paar erfahrenen Führungsspielern anstreben. Der Druck ist hoch, und die Trainerfrage bleibt vorerst offen.
Die Mitgliederversammlung am 21. Juni im Zenith könnte ein entscheidender Moment werden. Die Fans fordern Rücktritte der gesamten Führungsriege, und ein Infoabend zum Stadionumbau wurde bereits abgesagt. Es ist ein Scherbenhaufen, der da entstanden ist, und der größte Teil des Defizits stammt aus dem Nachwuchsleistungszentrum, das der e.V. nach dem Abstieg 2017 übernommen hat. Hohe Verbindlichkeiten aus der Zeit in der 2. Bundesliga belasten das ganze Gefüge – und auch der geplante Ausbau des Stadions in Grünwalder könnte in Frage gestellt werden.
Ein Verein am Abgrund
Die finanzielle Schieflage lässt sich nicht ignorieren. Mit einem Minus von 900.000 Euro in der Saison 2023/24 und einem erwarteten Defizit von 500.000 Euro für das laufende Geschäftsjahr wird es eng. Der Verein generiert jährlich rund 1,5 Millionen Euro durch Beiträge von etwa 19.000 Mitgliedern, aber das reicht nicht, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Wir arbeiten mit Insolvenz-Beratern zusammen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten“, heißt es aus den Reihen des Vereins. Doch wie lange kann das gut gehen?
Die Faninitiative „Weiß & Blau für den TSV“ hat die Vereinsführung scharf kritisiert und fordert ernsthaft ein Umdenken. Gespräche mit weiteren Spielern, darunter Ex-Kapitän Jesper Verlaat und Florian Niederlechner, sollen bald anstehen, aber die Frage bleibt: Wird das alles ausreichen, um den Verein zu stabilisieren? Der geplante Trainingslager im oberösterreichischen Ulrichsberg steht vor dem Aus, und die Anspannung in der Luft ist greifbar. Es gibt keinen klaren Ausweg, und die Zeit drängt.