In München, wo die Maßkrüge so groß sind wie die Tradition, brodelt es hinter den Kulissen der Wiesn. Alexander Egger, der Wirt der kleinen Münchner Stubn, hat sich mit dem städtischen Vergabesystem für die Zeltvergabe angelegt. Er sieht die Vergabe als intransparent und schießt gegen die geringen Chancen für Neulinge. Während er versucht, seine Stimme zu erheben, erleidet er jedoch Rückschläge. Vor Gericht hat er bereits zweimal verloren. In der Zwischenzeit dürfen die großen Zelte Schottenhamel und Paulaner ihre Verträge unterzeichnen, und selbst die neuen Betreiber der Schützenlisl auf der Oidn Wiesn haben grünes Licht erhalten.

Die Verzweiflung bei Egger wächst. Er denkt ernsthaft darüber nach, seine Klage bis zum Europäischen Gerichtshof zu tragen. Währenddessen hat die Arbeitsgemeinschaft der kleinen Wiesnzelte beschlossen, dass die Münchner Stubn nicht mehr erwünscht ist – eine einstimmige Entscheidung, die die Gemeinschaft der Wiesnwirte zusammenhalten soll. Auch wenn kein förmlicher Ausschluss ausgesprochen wurde, die Botschaft ist klar: Egger steht allein. Sein Anwalt äußert sich bisher nicht zu den Entwicklungen, doch die Situation spitzt sich zu. Ein Verleiher von Spülmaschinen hat bereits angedeutet, Egger keine Geräte zu liefern, falls er ein größeres Zelt bekommen sollte. Geschickt plant Egger, die benötigten Geräte notfalls von anderen Herstellern zu beziehen, um sich nicht unterkriegen zu lassen.

Das rechtliche Tauziehen

Am 5. Juni 2026 hat das Bayerische Oberste Landesgericht eine sofortige Beschwerde der WE Gutshof GmbH gegen einen Beschluss der Vergabekammer Südbayern erhalten. Diese Beschwerde hat aufschiebende Wirkung, was bedeutet, dass der Zuschlag für die begehrten Zeltplätze bis auf Weiteres nicht erteilt werden darf. Die WE Gutshof GmbH beantragt zudem eine Verlängerung dieser Aufschiebung, über die der Senat noch nicht entschieden hat. Lorenz Stiftl, der in diesem Jahr das Paulaner-Zelt übernimmt, äußert sich besorgt darüber, dass diese Unsicherheiten die Vorbereitungen für die Wiesn erschweren.

Die Vergabekammer wies den Nachprüfungsantrag der WE Gutshof GmbH zurück, was die Gemüter weiter erhitzt. Egger, der sich um die großen Zelte beworben hat, kann seine Forderungen nicht aufgeben. Er ist der Meinung, dass die Vergabe nach europäischem Vergaberecht als Dienstleistungskonzession behandelt werden sollte – ein Argument, das die Vergabekammer nicht teilt. Ihr zufolge besteht keine Rechtspflicht zum Betrieb der Zelte, was Egger und sein Anwalt Benno Ziegler scharf kritisieren. Ziegler hat angekündigt, dass sie nicht aufgeben werden und innerhalb von zwei Wochen Beschwerde einlegen. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das die Wiesn-Community in Atem hält.

Tradition vs. Neuerungen

Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) kommt nicht umhin zu betonen, dass die Entscheidung der Vergabekammer gut für die Wiesn sei und die Traditionen geschützt werden müssen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) stimmt ihm zu und hebt hervor, wie wichtig es ist, die lokalen Traditionen zu bewahren. Doch während die einen sich auf die Traditionen berufen, sieht Egger seine Chance auf ein großes Zelt schwinden. Die Vergabe der Standplätze erfolgt nach einem Punktesystem, das historisch gewachsen ist. Doch Egger fordert, dass die Stadt sich an das europäische Vergaberecht hält und die Standplätze EU-weit ausschreibt. Das ist wie ein Wettlauf gegen die Zeit – und die Zeit läuft nicht in Eggers Richtung.

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Die Gerüchte über mögliche Klagen von Egger und seiner Frau schwirrten bereits zu Beginn des Jahres durch die Gassen Münchens, doch bis jetzt haben sie diese Spekulationen stets bestritten. Das städtische Wirtschaftsreferat hält sich derweil bei den laufenden Ausschreibungsverfahren zurück, was die Unsicherheit nur noch verstärkt. Christian Schottenhamel, Wirtesprecher, hebt hervor, wie wichtig die aktuelle Vergabepraxis für den Erhalt des bayerischen Brauchtums ist. Immerhin kommen 80 Prozent der Wiesn-Besucher aus München und dem Umland. Das Oktoberfest ist ein einmaliges Kulturgut, das geschützt werden muss – und das bleibt auch in der Diskussion um die Zeltvergabe ein heißes Eisen.

In der Zwischenzeit bleibt Egger nicht viel anderes übrig, als sich in Geduld zu üben und die Entwicklungen abzuwarten. Die Wiesn 2026 wird, wie geplant, aufgebaut – die Frage ist nur, wie sich die Zeltvergabe bis dahin entwickelt und ob sich die Stimmungswogen glätten lassen.