Unionsbräu: Vom Verfall zur Wiederbelebung – Ein Münchner Erbe in der Warteschleife
In Au-Haidhausen steht das Unionsbräu, ein historisches Gebäude, das seit über sechs Jahren leer steht. Die Wände könnten Geschichten erzählen – von fröhlichen Abenden, von Bier und Brezeln und von der herzlichen Atmosphäre, die einst die Gäste anlockte. Doch nun sind sie Zeugen des Verfalls, der die Gemäuer umhüllt. Zuletzt machte ein Wasserschaden der Wiedereröffnung einen Strich durch die Rechnung. Die Stadt München, mit einem straffen Budget, hat momentan keine schnelle Lösung in Eigenregie parat. Die Rathaus-SPD sieht das Unionsbräu als einen Ort mit Potenzial und schlägt vor, dass die Stadtgesellschaft Münchner Wohnen das Grundstück übernimmt, renoviert und bewirtschaftet. Das klingt nach einer spannenden Möglichkeit, oder?
SPD-Stadtrat Roland Hefter äußert sein Bedauern über den Zustand dieses geschichtsträchtigen Ortes. Er wünscht sich eine Rückkehr zur lebendigen Mischung aus Gastronomie und Kultur. Die aktuellen Pläne sehen allerdings Büroflächen und ein Fitnessstudio vor. Ein Szenario, das die Bürgerinitiative, zu der auch der Ex-Wirt Wiggerl Hagn gehört, entschieden ablehnt. „Unionsbräu soll leben!“ rufen die Aktivisten bei einer Protestaktion, die mit Transparenten und leidenschaftlichen Reden auf die Missstände aufmerksam macht.
Die Wurzeln des Unionsbräu
Das Unionsbräu ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Stück Geschichte, das 1895 von der jüdischen Brauerfamilie Schülein gegründet wurde. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an Josef Schülein, der einst die Geschicke der Brauerei lenkte. Ludwig Hagn führte das Gasthaus bis 2012, bevor Igor Divjak es 2015 wiedereröffnete. Doch auch dieser Versuch scheiterte 2019 – die Türen blieben geschlossen. Ein geplantes asiatisches Restaurant kam wegen Corona und eines weiteren Wasserschadens nie zustande. Im Sommer 2023 wurde der Mietvertrag aufgelöst und das Gebäude steht seither leer und einsam da.
Die Bürgerinitiative „Rettet das Unionsbräu“ wurde ins Leben gerufen – von Markus Wagner, Hatun Tolun und Rupert Pfliegl. Ihr Ziel? Eine Wiederbelebung des Unionsbräu mit einer Mischung aus Gastronomie und kulturellen Angeboten. Es ist ein hoher finanzieller Aufwand nötig, um den Verfall zu stoppen, und die Finanzierung ist derzeit alles andere als gesichert. Das Kommunalreferat hat bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die jedoch nicht die Wünsche der Initiative widerspiegelt. Anstatt einer lebendigen Gaststätte werden Büroräume und ein Fitnessstudio vorgeschlagen.
Der Weg zum Denkmalschutz
Die Herausforderung ist auch der Denkmalschutz. Das Unionsbräu ist ein denkmalgeschützter Neorenaissance-Bau. Jede Veränderung erfordert eine Genehmigung nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz. Es ist nicht einfach, die richtige Balance zwischen Erhalt und moderner Nutzung zu finden. Die Stadt muss darauf achten, dass alle öffentlich-rechtlichen Vorschriften eingehalten werden, auch wenn bestimmte Maßnahmen ohne Genehmigung durchgeführt werden können.
So steht das Unionsbräu in einer Art Schwebezustand zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Bürgerinitiative plant eine Podiumsdiskussion, um über die Zukunft des Unionsbräu zu debattieren. Die Frage bleibt: Wie kann man diesen geschichtsträchtigen Ort wieder zum Leben erwecken?
