Ein Abschied mit vielen Fragen: Die Zukunft der Nazarethkirche in Bogenhausen
Am vergangenen Wochenende war die Nazarethkirche in Bogenhausen der Ort, an dem Pfarrer Rainer Maria Schießler seine letzte Viecherlmesse feierte. Ein besonderer Anlass, denn in dieser Messe wurden nicht nur die Menschen, sondern auch ihre tierischen Begleiter gesegnet – Hunde, Hamster und was sonst noch zu den geliebten Haustieren dazugehört. Schießler, der seit Dezember interimistisch in der evangelischen Kirche tätig war, verabschiedete sich von der Gemeinde, während seine katholische Heimatgemeinde St. Maximilian saniert wird. Ein emotionaler Moment für alle Beteiligten, besonders wenn man bedenkt, dass die evangelische Gemeinde bereits im September 2025 mit einem letzten Gottesdienst Abschied von der Kirche genommen hatte.
Die Diskussion um die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes an der Barbarossastraße nimmt unterdessen Fahrt auf. Die örtliche CSU hat die Debatte aufgegriffen und zu einem Gesprächsabend eingeladen. Hierbei wird deutlich, dass nicht alle Anwohner mit den Entwicklungen einverstanden sind. Pfarrer Markus Rhinow hat sogar einen „subtilen fremdenfeindlichen Unterton“ in den Gesprächen wahrgenommen. Die evangelische Kirche denkt darüber nach, die Liegenschaft an die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde mit 3500 Mitgliedern in Bayern zu verpachten oder gar zu verkaufen. Ein CSU-Brief, der in der Nachbarschaft verteilt wurde, lädt zur Diskussion über die Zukunft der Nazarethkirche ein – allerdings ohne Medien, um einen vertraulichen Austausch zu ermöglichen.
Ein Abschied mit vielen Fragen
Am 28. September 2025 fand der letzte Gottesdienst in der Nazarethkirche statt, bei dem die „vasa sacra“ symbolisch aus der Kirche getragen wurden. Es war ein bewegender Moment, der die Herausforderungen der Immanuel-Nazareth-Gemeinde in den Mittelpunkt rückte. Ein Gemeindehaus wird Anfang 2026 abgerissen, während eine der Kirchen umgebaut und die andere verkauft werden soll. Der Kindergarten, der zur Gemeinde gehört, muss ebenfalls weichen; ein Neubau wird erst im Frühjahr 2028 bezugsfertig sein. Der Unterhalt der unter Denkmalschutz stehenden Kirche ist für das Dekanat nicht mehr tragbar. Gerüchte über einen möglichen Verkauf an eine äthiopisch-orthodoxe Kirche machen die Runde, doch die genaue Nutzung des Kirchengebäudes bleibt unklar.
Die Sorgen der Anwohner sind groß. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, um über die Zukunft der Kirche und das Grundstück zu diskutieren. Die Menschen sind besorgt um den Baumbestand auf dem Gelände und wünschen sich eine gemeinwohlorientierte Nutzung. Es gibt keinen Plan für den Abriss des Kirchengebäudes, aber was wird mit der Nazarethkirche geschehen? Der Druck auf die evangelische Kirche wächst, denn die Mitgliederzahlen sinken seit Jahren. Laut einer Umfrage unter Bauamtsleitungen der EKD wird erwartet, dass die Hälfte aller Kirchen in naher Zukunft nicht mehr benötigt wird.
Ein Blick in die Zukunft
Innovative Nutzungskonzepte sind gefragt. In anderen Regionen gibt es bereits positive Beispiele, bei denen Kirchen für neue Zwecke umgewidmet wurden – sei es als Orte für Familientreffen oder sogar als Kletterhallen. Die evangelische Kirche Mitteldeutschland hat ein Online-Portal ins Leben gerufen, um ungenutzte Pfarrhäuser und Kirchen zu verkaufen. Ein Verkauf kann schmerzhaft sein, doch er ist oft der einzige Ausweg. In Bogenhausen ist die Situation besonders angespannt. Die evangelische Kirche plant weiterhin, die Nachbarschaft zu informieren, sobald ein Gutachten zum baulichen Zustand der Kirche vorliegt. Aber wie wird es wirklich weitergehen? Die Unsicherheit bleibt.
