Es gibt Geschichten, die einfach erzählt werden müssen – wie die von Giovanna Calandrino, der Trambahnfahrerin aus München. Mit ihren 61 Jahren und über 30 Jahren Erfahrung hinter dem Steuer ist sie ein echtes Urgestein der Münchner Straßenbahnen. Die vierfache Mutter hat nicht nur ein beeindruckendes Berufsleben, sondern auch ein Motto, das sie stets begleitet: „Ich bin freundlich zu den Fahrgästen, dann sind sie auch freundlich zu mir.“ Eine simple, aber so wichtige Philosophie, die in der oft hektischen Welt des öffentlichen Verkehrs goldwert ist.

Calandrino kam 1996 nach München, nachdem sie mit ihrem Ex-Mann in Sizilien auseinandergegangen war. Ihr Schwager half ihr, sich bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu bewerben, und sie lernte das Fahren auf den alten Trambahnen. In nur acht Wochen absolvierte sie ihre Ausbildung – eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, wie viele Geschichten sie seither sammeln konnte. Als Ausbilderin gab sie ihr Wissen weiter und betonte immer wieder die Notwendigkeit von Aufmerksamkeit im Fahrerstand. Schließlich ist ein Trambahnfahrer nicht nur ein Beruf, sondern eine Verantwortung.

Die schönsten Strecken und knifflige Situationen

Wenn Giovanna an ihre Lieblingsstrecken denkt, kommen ihr sofort die Tramlinien 20 nach Moosach und 25 vom Max-Weber-Platz nach Grünwald in den Sinn. Hier fährt es sich fast wie im Bilderbuch. Die 17 hingegen ist weniger ihr Fall – „lang und zeitaufwendig“, sagt sie. Über die Gefahren auf den Straßen weiß sie Bescheid: Enge Gassen, Radfahrer und Scooterfahrer können die Fahrt schnell zum Abenteuer machen. Menschen, die auf die Gleise rennen, sind zwar selten, aber wenn sie das tun, kann das gefährlich werden – schließlich erreichen Trams hohe Geschwindigkeiten. Und dann gibt es noch die Falschparker, die sie mit einem Klingeln und einer kurzen Info an die Fahrgäste auf ihre Unaufmerksamkeit hinweisen muss.

Ein bisschen Pragmatismus gehört also dazu. Wenn es die Zeit erlaubt, lässt sie Fahrgäste auch in letzter Sekunde einsteigen. Aber sie weiß, dass nicht alles in ihrer Hand liegt. Bei den älteren Trams hat sie oft nicht die Möglichkeit, die Heizung oder Klimaanlage zu regulieren, während es bei den neueren Modellen etwas mehr Spielraum gibt. Ein weiteres Highlight ihrer Laufbahn? Eine Fahrt mit dem damaligen MVG-Chef Herbert König, den sie nicht erkannte. „Das war eine lustige Überraschung“, erinnert sie sich lächelnd.

Ein Jubiläum zum Feiern

Im Jahr 2026 steht ein ganz besonderes Jubiläum an: Die MVG feiert 150 Jahre Tram in München! Wenn das kein Grund zum Feiern ist. Anlässlich dieses Ereignisses gibt es eine Stadtrundfahrt mit einem historischen Zug, die bis zum 4. Oktober verkehrt. Für nur 20 Euro – ermäßigt 10 Euro und Kinder unter sechs Jahren fahren kostenlos. Das ist doch mal ein Schnäppchen! Außerdem hat die MVG eine Jubiläumsbroschüre veröffentlicht, die auf 50 Seiten die Geschichten und die Entwicklung der Tram in München beleuchtet. Sie ist kostenlos in den MVG-Kundencentern und an Infoboxen erhältlich, sowie in Tram und Bus. Wer die digitale Version möchte, wird auf der Sonderseite zum Tramjubiläum fündig: mvg.de/tram150.

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Das MVG Museum in der Ständlerstraße 20 wird ebenfalls ein wichtiger Ort für die Feierlichkeiten. Hier wird die Geschichte des Münchner Nahverkehrs lebendig, mit historischen Trambahnen, Bussen und vielem mehr. Mit über 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und rund 25 historischen Fahrzeugen gibt es viel zu entdecken. An bestimmten Sonntagen im Jahr, auch im August, wird das Museum seine Türen öffnen und die Besucher mit Führungen und Ausstellungen begeistern.

Die Vorfreude auf das Jubiläum ist groß. Giovanna Calandrino plant, noch fünf Jahre bis zur Rente zu fahren. Ihre Leidenschaft für die Tramfahrten und die Begegnungen mit Menschen wird sie sicher auch weiterhin antreiben. Und wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages selbst eine dieser Geschichten, die in der Jubiläumsbroschüre festgehalten werden. Die Zeit vergeht, und die Trams – sie rollen weiter durch die Straßen Münchens.