Lindwurmstraße: Von der Geschichte zur grünen Zukunft Münchens
Die Lindwurmstraße in München – ein Name, der Geschichte erzählt und zugleich die Zukunft der Stadt prägt. Vom Sendlinger-Tor-Platz bis hinunter nach Sendling erstreckt sich diese wichtige Verkehrsader, die derzeit einer umfassenden Umgestaltung unterzogen wird. Ziel ist es, den Autoverkehr zu reduzieren und die Straße in einen modernen Boulevard zu verwandeln, der mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer bietet. Man kann sich das kaum vorstellen, wenn man bedenkt, dass hier täglich zwischen 12.000 und 24.000 Kraftfahrzeuge unterwegs sind!
Ursprünglich wurde die Lindwurmstraße im Jahr 1878 nach Dr. Joseph von Lindwurm benannt – ein Dermatologe mit einem Nachnamen, der in eine Münchner Volkssage mündet. Laut dieser Sage brachte ein Lindwurm die Pest in die Stadt, was die Straße zu einem Ort mit tiefen historischen Wurzeln macht. An der Hausnummer 127 ist es besonders spannend: Hier gründete die Familie Einstein 1885 eine Elektrotechnische Fabrik, die jedoch nur bis 1894 bestand. Tragisch wird die Geschichte, wenn wir erfahren, dass Max Abeles, der 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt starb, hier seine Zigarettenfabrik betrieb, die ab 1938 der jüdischen Kultusgemeinde als Notunterkunft diente.
Von der Vergangenheit in die Gegenwart
Die Lindwurmstraße ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein Schauplatz von bedeutenden Ereignissen. Am 22. Mai 1938 fand hier der erste Rammstoß für den Bau der Münchner U-Bahn statt. Ein kleiner Schritt in die Zukunft, der heute ganz anders interpretiert wird, denn der U-Bahnhof Goetheplatz hat sich im Laufe der Zeit gewandelt – er diente während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzraum und wurde später sogar zur Champignonzucht umfunktioniert. Wer hätte gedacht, dass ein Ort, der einst für seine Schattenseiten bekannt war, so kreativ wiederbelebt werden könnte?
Die Lindwurmstraße hat viele Gesichter. Historische Bauten säumen ihren Weg, darunter die Frauenklinik, das Haunersche Kinderspital und der Lindwurmhof. Und dann ist da noch die denkmalgeschützte Eisenbahnüberführung, die um 1900 erbaut wurde und nun ebenfalls erneuert wird. Die Deutsche Bahn hat im März 2024 mit den Arbeiten begonnen, die voraussichtlich bis Dezember 2025 abgeschlossen sein sollen. Hier vermischen sich Vergangenheit und Zukunft auf faszinierende Weise.
Radverkehr und Verkehrswende
Mit dem Münchner Radentscheid kommt frischer Wind in die verkehrspolitische Debatte. Die Lindwurmstraße wird im Zuge dieser Neugestaltung auch in Zukunft baulich geschützte Radwege erhalten, die vom Autoverkehr getrennt sind. Das ist ein wichtiger Schritt, denn in den letzten zehn Jahren ist der Radverkehr um satte 70% gestiegen! Das zeigt, dass die Münchnerinnen und Münchner bereit sind, ihre Fortbewegung umzustellen und sich für nachhaltige Verkehrslösungen einzusetzen. Der Stadtrat hat bereits am 2. Oktober 2024 eine Planung zur Verbesserung der Verkehrssituation beschlossen, die breitere Radwege vorsieht. Der erste Bauabschnitt zwischen dem Sendlinger-Tor-Platz und dem Goetheplatz wird im September 2025 abgeschlossen sein – es tut sich also was!
Die Lindwurmstraße steht an einem Wendepunkt, nicht nur als Verkehrsader, sondern als Symbol für den Wandel in der Stadt. Hier wird nicht nur Geschichte bewahrt, sondern auch die Weichen für eine nachhaltigere Zukunft gestellt. Ein Ort, der viele Geschichten erzählt und noch viele weitere zu erzählen hat. Man kann nur gespannt sein, wie sich diese Straße in den kommenden Jahren entwickeln wird.
