In der malerischen Oberen Stadt von Neuburg an der Donau, wo einst Bäckereien wie die von Enzmann, Kaindl und Schlegl um die Gunst der Kunden buhlten, ist heute nicht mehr viel geschäftliches Leben zu spüren. Die letzten Bäcker schlossen ihre Pforten – Enzmann verabschiedete sich 1991, gefolgt von Kaindl einige Jahre zuvor. Was bleibt, sind Erinnerungen und die Geschichten, die sich um die einst pulsierenden Straßen ranken.

Die Altstadt hat sich mittlerweile in eine ruhige Wohn-Oase verwandelt. Die lebhaften Kolonialwarengeschäfte, wie Forstmair, Bachmann und „Zum Tiroler“, der einst ein Sammelbecken für allerlei Lebensmittel im frühen 20. Jahrhundert war, sind längst Geschichte. Die letzten Einzelhändler, wie die Sporthandlung Auer, die in den 1990er Jahren ihre Türen schloss, hinterließen eine Leere, die spürbar ist. Doch die Geschichte der Oberen Stadt lebt weiter – und das nicht nur in den Erinnerungen der älteren Generation, wie bei Ottmar Schlegl (89) und seiner Frau Elisabeth (83), die bis 2007 ihr Altstadt-Café betrieben.

Ein Blick zurück mit neuen Perspektiven

Neuburgs Historischer Verein und das Stadtarchiv haben sich zusammengetan, um die Vergangenheit aufleben zu lassen. Mit einer Wanderausstellung, die bereits vor 19 Häusern in der Oberen Stadt steht, wird die Geschichte lebendig. An jedem Standort prangt eine Tafel mit QR-Codes, die zu weiteren Informationen und historischen Bildern führen. Diese Initiative, die als Gemeinschaftsprojekt ins Leben gerufen wurde, zielt darauf ab, das frühere Leben in Neuburg anschaulich darzustellen. Marcus Prell und Monika Schierl führten kürzlich eine Führung durch diese Ausstellung, und trotz der drückenden Hitze war das Interesse der Bürger riesig.

Die Hofapotheke an der Amalienstraße, die bis 1989 in Betrieb war, bietet heute einen Blick in die Vergangenheit – jetzt ist dort eine Arztpraxis und der Birdland-Jazzclub untergebracht. Die historischen Recherchen zeigen, wie tief die Wurzeln der Stadt in ihrer Handelsgeschichte verankert sind. Das Prechter-Haus, bekannt für seine Ansichtskarten und die „Neuburger Neueste Nachrichten“, und das ehemalige Theatercafé, wo früher der Tapezier-Fachbetrieb Haertl ansässig war, erzählen von einem lebendigen Wirtschaftsleben, das heute kaum mehr vorstellbar ist.

Eine Ausstellung mit Erinnerungen

Die Ausstellung, die am 20. Juni im Stadtmuseum eröffnet wurde, ist eine Art Zeitreise durch die Geschichte der Oberen Stadt. Die Auswahl der 19 Geschäfte, die beleuchtet werden, erforderte eine Menge Recherche. Manchmal war es ein Glücksspiel, Informationen zu finden. Doch die Hartnäckigkeit des Vereins hat sich gelohnt! An jedem ehemaligen Geschäft stehen nicht nur Tafeln, sondern auch ein passender Flyer, der die Besucher durch die Geschichte führt. Und natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen im Stadtmuseum – für die kleinen Pausen zwischendurch.

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Die Ausstellung bleibt bis etwa Oktober zugänglich, abhängig von der Vereinbarung mit den Hausbesitzern. Es ist eine Gelegenheit, die eigene Stadt neu zu entdecken und den Geschichten der Menschen zu lauschen, die hier gelebt und gearbeitet haben. Ein Stück Heimatgeschichte, das zum Staunen und Nachdenken anregt – das ist Neuburg in seiner schönsten Form.