Heute ist der 31.05.2026 und wir befinden uns im bunten Stadtteil Obergiesing-Fasangarten, wo sich Geschichten von Menschen entfalten, die oft im Hintergrund stehen. Eine solche Geschichte ist die von Stefanie Freitag, einer bemerkenswerten Frau, die seit ihrer Geburt hochgradig sehbehindert ist. Ihr Sehvermögen beträgt schätzungsweise nur fünf Prozent – das ist wie die Welt durch einen schmalen Schlitz zu sehen. „Extrem kurzsichtig“, beschreibt sie sich selbst, und das ist nicht nur eine medizinische Diagnose, sondern auch eine tägliche Herausforderung, die sie mit Bravour meistert.

Aufgewachsen in München, besuchte Stefanie bis zur 5. Klasse das Sehbehinderten- und Blindenzentrum. Dort war der Unterricht speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten – dickere Linien in Heften und mehr Zeit für Aufgaben halfen ihr, sich in der Welt der Bildung zurechtzufinden. Doch als sie auf ein „normales“ Gymnasium wechselte, wurde sie mit einer ganz anderen Realität konfrontiert. Ausgrenzung und Ablehnung waren Dinge, die sie schockierten und die sie als Verletzungen erlebte. Oft wurden die extragroßen Blätter, die sie benötigte, von Lehrern schlichtweg vergessen. Das war nicht nur frustrierend, sondern ließ sie auch an ihrem Platz in dieser neuen Welt zweifeln.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Die Definition von Hochgradigkeit in der Sehbehinderung ist in Deutschland klar: Menschen, deren Sehschärfe auf dem besseren Auge nicht mehr als 1/20 beträgt, fallen in diese Kategorie. Am 31. Dezember 2021 lebten in Deutschland rund 71.000 blinde und 47.000 hochgradig sehbehinderte Menschen. Stefanie ist eine von ihnen und sie arbeitet beim Polizeipräsidium München in der Telefonstelle. Ganz nebenbei engagiert sie sich ehrenamtlich beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB). Diese Doppelrolle bringt ihre Leidenschaft für die Kommunikation und das Miteinander zum Ausdruck.

Die Herausforderungen sind vielfältig. In Supermärkten hat sie oft Schwierigkeiten, Abstände einzuschätzen, und die Blendempfindlichkeit ist ein ständiger Begleiter. Dennoch hat sie gelernt, sich selbst zu akzeptieren – und das ist eine Botschaft, die sie mit Nachdruck verbreiten möchte. „Wir sind keine Simulanten!“, betont sie, während sie sich einen Moment Zeit nimmt, um über die Vorurteile nachzudenken, mit denen sehbehinderte Menschen täglich konfrontiert werden. Ihr blinder Partner hilft ihr dabei, sich gut zu orientieren. Dieses Zusammenspiel zeigt, dass man auch mit Einschränkungen ein erfülltes Leben führen kann.

Ein Aufruf zur Verständigung

Stefanie Freitag ist nicht nur eine Kämpferin für ihre eigenen Belange, sondern auch eine Botschafterin für mehr Verständnis und Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. Sie fordert, dass Barrieren im Denken abgebaut werden. „Es wäre schön, wenn die Leute mehr Verständnis aufbringen könnten“, sagt sie und man spürt die Hoffnung in ihrer Stimme, dass sich das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderungen verändern kann. Die Welt könnte so viel zugänglicher und freundlicher sein, wenn wir alle ein wenig mehr Empathie entwickeln würden.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

In einer Gesellschaft, die oft von Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit geprägt ist, zeigt uns Stefanie, was es bedeutet, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen und das Beste aus seiner Situation zu machen. Ihre Geschichte ist eine von vielen in München, wo Menschen mit Behinderungen nicht nur existieren, sondern auch aktiv am Leben teilnehmen und unsere Gemeinschaft bereichern. Lassen wir uns inspirieren von ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, die Welt ein Stück besser zu machen – für alle.