Die Münchner Freiheit pulsiert, und während wir hier in der Stadt das Leben in vollen Zügen genießen, gibt es Geschichten, die uns zum Nachdenken anregen. Eine solche Erzählung ist die von Martina Fischer, die im Rahmen der BR-Dokumentationsreihe „Lebenslinien“ vorgestellt wird. Es ist eine bewegende Reise, die uns zeigt, wie man nach schweren Schicksalsschlägen einen neuen Weg findet. Und wenn man sich fragt, wie das möglich ist, dann ist die Antwort oft einfacher, als wir denken: Man muss nur den Mut aufbringen, alte Sicherheiten hinter sich zu lassen.
Martina wuchs auf einem kleinen Milchviehhof im Chiemgau auf, wo sie schon früh ihrem Vater im Stall half und die Arbeit mit den Tieren liebte. Trotz ihrer Leidenschaft entschied sie sich – beeinflusst von ihrem Umfeld – für eine Ausbildung zur Krankenschwester. Mit 22 Jahren übernahm sie Verantwortung für ihre Großeltern, pflegte sie und renovierte gemeinsam mit ihrem Mann den Hof. Ein Leben im Dienste anderer, könnte man sagen. Doch nach dem Verlust ihrer Verwandten und einem schweren Unfall, der beinahe zu einer Querschnittslähmung führte, stellte sie alles in Frage.
Der Neuanfang in den Bergen
Der Unfall war ein Wendepunkt in ihrem Leben. Plötzlich war nichts mehr so, wie es einmal war. Martina gab ihren Beruf als Krankenschwester auf und begab sich auf die Suche nach einem neuen Lebensweg. In den Bergen fand sie schließlich ihren Platz. Die Alm im Wendelsteingebirge wurde zu ihrer Quelle der Kraft und inneren Ruhe. Hier kümmert sie sich um Rinder und Ziegen, und die Natur um sie herum gibt ihr das, was sie so dringend braucht. Es ist eine Rückkehr zu ihren Wurzeln, eine Rückbesinnung auf das, was sie schon als Kind geliebt hat. Und komischerweise fühlt es sich einfach richtig an.
Besonders inspirierend ist Martinas Entscheidung, ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Motiviert von einem Verleger begann sie, an einem Buch über ihre Zeit als Sennerin zu arbeiten. Dieser kreative Prozess lenkte ihr Leben in eine komplett andere Richtung. Es ist als würde sie mit jedem geschriebenen Wort ein Stück mehr zu sich selbst finden. Die Dokumentation „Lebenslinien: Von der Krankenschwester zur Sennerin“ wird am Montag, den 18.05., um 22:00 Uhr im BR ausgestrahlt. Und ich kann nur sagen: Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen!
Martinas Geschichte ist mehr als nur ein persönlicher Neuanfang. Sie zeigt uns, wie Krisen neue Chancen eröffnen können, wenn wir bereit sind, uns auf das Unbekannte einzulassen. Wer hätte gedacht, dass das Leben in den Bergen nicht nur eine Flucht, sondern auch eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln bedeuten kann? Wenn wir darüber nachdenken, könnten wir alle von dieser „heilenden Kraft des Rückzugs“ lernen, wie es so schön heißt. Vielleicht ist es an der Zeit, auch für uns selbst einen Schritt zurückzutreten und neu zu denken.