Ein ganz besonderer Einblick in die Vergangenheit erwartet uns in Bogenhausen! Die Monacensia im Hildebrandhaus startet die Veranstaltungsreihe „SneakPeak Archivalienschau“ und gewährt damit faszinierende Perspektiven auf das Literaturarchiv der Stadt München. Archivleiter Thomas Schütte wird in der Mai-Ausgabe der Reihe über die Monacensia im Nationalsozialismus sprechen. Ein Thema, das nicht nur historisch wichtig ist, sondern auch heute noch viele Emotionen weckt.
Am Donnerstag, dem 7. Mai, um 17:30 Uhr im Salon Hildebrand, werden ausgewählte Briefe, Fotografien und Manuskripte aus der Zeit des NS-Regimes präsentiert. Diese Materialien erzählen Geschichten, die oft im Schatten der Geschichte verborgen blieben. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, aber eine vorherige Anmeldung ist erforderlich – ein kleiner Preis für einen Blick hinter die Kulissen der Literaturgeschichte!
Ein Blick in die dunkle Geschichte
Die Reihe hat sich das Ziel gesetzt, das literarische Gedächtnis der Stadt aus verschiedenen Perspektiven erfahrbar zu machen. Und das ist mehr als nur eine akademische Übung: Es geht um das Verständnis von Literatur als Ausdruck seiner Zeit, besonders in einer Phase, in der das Schaffen vieler deutschsprachiger Autoren stark beeinträchtigt wurde. Im Vorfeld der Machtergreifung 1933 waren bereits autoritäre Tendenzen sichtbar. Die ersten Verbotslisten für nicht-arische Literatur sorgten für einen Schatten über der literarischen Landschaft.
Einige Schriftsteller, darunter Alfred Döblin und Klaus Mann, sahen sich gezwungen, ins Exil zu fliehen, während andere bei den berüchtigten Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 miterleben mussten, wie ihre Werke in Flammen aufgingen. Joseph Goebbels nannte diese verbrannten Schriften „Asphaltliteratur“ – eine abwertende Bezeichnung, die die Verzweiflung und das Unrecht widerspiegelt, das vielen Autoren widerfuhr. Die Gründung der Reichsschrifttumskammer und das Erfordernis eines „Ariernachweises“ für Autoren zeugen davon, wie stark die Literatur unter dem Druck des Regimes litt.
Literatur als Widerstand
Doch trotz der Repression gab es auch Widerstand. Viele Autoren arbeiteten in der Illegalität oder blieben in Deutschland und opponierten heimlich gegen das Regime. Diese „innere Emigration“ war oft geprägt von einem tiefen Gefühl der Entfremdung. Und während einige ins Exil gingen, um der Verfolgung zu entkommen, blieben andere in der Hoffnung, dass sich die Verhältnisse irgendwann ändern würden – ein verzweifelter, aber auch bewundernswerter Schritt.
Die Exilliteratur, die zwischen 1933 und 1945 entstand, war ein verzweifelter Versuch, die Schrecken des Dritten Reiches zu dokumentieren. Autoren wie Stefan Zweig und Kurt Tucholsky mussten unter enormen psychischen Belastungen leiden, während sie versuchten, ihre materielle Existenz im Ausland zu sichern. Oft war die Literatur im Exil ein Aufruf zur Aufklärung über die Gräuel des Regimes und ein Ruf zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Monacensia bietet mit ihrer neuen Reihe die Möglichkeit, sich mit dieser komplexen und schmerzhaften Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es ist eine Einladung, die Stimmen derer zu hören, die in einer dunklen Zeit für Freiheit und Menschlichkeit kämpften. Und vielleicht, nur vielleicht, wird der ein oder andere Besucher am 7. Mai mit einem neuen Verständnis und einem Gefühl der Verbundenheit zur Geschichte nach Hause gehen.