Heute ist der 21.06.2026, und während der Sommer seinen heißen Atem über München ausbreitet, gibt es eine neue literarische Stimme, die in der Stadt für Aufregung sorgt. Ulf Poschardt, der ehemalige Chefredakteur und bis vor Kurzem Herausgeber der Welt, hat sein neuestes Werk mit dem markanten Titel „Bückbürgertum“ veröffentlicht. Nach dem Erfolg seines Bestsellers „Shitbürgertum“, der im letzten Jahr die Bestsellerlisten stürmte und sich mit dem linksliberalen Milieu auseinandersetzte, könnte man meinen, dass die Latte hochgehängt ist. Aber Poschardt hat keine Angst vor Herausforderungen. In seinem aktuellen Buch geht es um eine Kulturgeschichte der deutschen Selbstverkleinerung von 1945 bis heute, und das in rund 350 Seiten, aufgeteilt in 50 Kapitel.

Poschardt hat sich, ganz im Stile seines provokanten Schreibens, nicht gescheut, eine Bück-Metapher einzuführen, um verschiedene Typen des „Bückbürgertums“ zu charakterisieren. Da gibt es die „Bückboomer“ und die „Bückintellektuellen“ – Namen, die aufhorchen lassen. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die linke Politik, sondern auch gegen die bürgerliche Reaktion darauf, die auch die CDU unter Angela Merkel betrifft. Dabei schließt sich Poschardt selbst in seine kritische Analyse ein und reflektiert über seine eigene Haltung zur Flüchtlingspolitik. „Bückbürgertum“ ist also nicht einfach nur ein weiteres politisches Pamphlet, sondern eine Zustandsbeschreibung, die zum Nachdenken anregen soll.

Eine Reise durch die Geschichte der Selbstverkleinerung

Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils einen entscheidenden Punkt in der Geschichte Deutschlands beleuchten. Der erste Teil, „Erste Bückübungen aus Bequemlichkeit und Modernitätsglauben“, thematisiert die Anfänge dieser Selbstverkleinerung. Danach folgt „Die Kapitulation beginnt: der Schock von 1968“, wo Poschardt die gesellschaftlichen Umbrüche und deren Auswirkungen auf das politische Klima untersucht. Der letzte Abschnitt, „Der Siegeszug des Bückbürgertums von Merkel bis Merz“, bringt die Entwicklung bis in die Gegenwart, wo Poschardt auch den aktuellen Kanzlerkandidaten der Union, Friedrich Merz, kritisch beleuchtet. Komischerweise hat der Verlag zu Klampen die Veröffentlichung aufgrund von „Übermaß an Polemik“ abgelehnt. Poschardt hat sich entschieden, das Buch im Eigenverlag herauszubringen, um den „Gatekeepern“ der Meinungsfreiheit zu entkommen.

In der Süddeutschen Zeitung wird das Buch als kritische Kulturgeschichte beschrieben, die sowohl selbstkritisch als auch parteiisch ist. Poschardt kritisiert nicht nur die naive Staatsgläubigkeit und die moralische Überheblichkeit des linksliberalen Milieus, sondern sieht auch deren Reglementierungslust und Wirtschaftsfeindlichkeit als Ursachen für die politische und kulturelle Krise des Landes. Er bezieht sich dabei auch auf Ludwig Erhards berühmten Satz „Wohlstand für alle“ und Kants Forderung nach mündiger Vernunft, um diese Probleme zu hinterfragen.

Ein Aufruf zur Verantwortungsübernahme

Das Buch richtet sich an ein jüngeres, diverseres Publikum und soll dazu anregen, Verantwortung zu übernehmen. In einer Zeit, in der Deutschland im dritten Jahr der Rezession steckt, kritisiert Poschardt die politische Diskussion, die sich nicht um wirtschaftliche Themen dreht. Stattdessen fordert er „mehr Gotham City und weniger Bullerbü“ – eine klare Ansage, die auf die Notwendigkeit hinweist, die bestehenden Verhältnisse zu hinterfragen. Komischerweise bringt er auch Giorgia Meloni ins Spiel und vergleicht die AfD damit, sieht sie aber als weniger fähig zur politischen Reform. Es wird klar, dass Poschardt die gesellschaftliche Debatte als zu idyllisch empfindet und einen klaren Schnitt mit der Vergangenheit fordert.

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Er spricht von einer „sittlichen Unreife“ in der politischen Auseinandersetzung und kritisiert das regressives Moralisieren. Poschardt hat das Gefühl, dass die Eliten und NGOs ein Interesse daran haben, dass bestehende Verhältnisse nicht infrage gestellt werden. In diesem Zusammenhang ist es nur folgerichtig, dass er sich selbst in die Kritik einbezieht und seine eigene Haltung zur Flüchtlingspolitik hinterfragt. „Bückbürgertum“ ist mehr als ein Buch; es ist ein Aufruf zur Reflexion und zur aktiven Teilnahme an der gesellschaftlichen Debatte.

Insgesamt zeigt Ulf Poschardt mit „Bückbürgertum“ ein Bild von Deutschland, das viele von uns vielleicht nicht sehen wollen, aber sehen sollten. Es bleibt spannend, wie Leser und Kritiker auf diese provokante Auseinandersetzung reagieren werden. Und eines ist sicher: Die Diskussion über die eigene Identität, Verantwortung und die Herausforderungen unserer Zeit ist noch lange nicht zu Ende.