Im Münchner Westend lebt Christa Zimmerer, eine 82-jährige Rentnerin, die mit den Herausforderungen der Altersarmut kämpft. Ihr Leben ist ein Mosaik aus Arbeit, Familie und täglichen Kämpfen, das sich über zahlreiche Jahrzehnte erstreckt. Trotz ihrer monatlichen Rente von etwa 1300 Euro und zusätzlichen 330 Euro Wohngeld bleibt ihr nach Abzug aller Kosten gerade einmal 350 Euro zur freien Verfügung. Das ist nicht viel in einer Stadt wie München, wo die Lebenshaltungskosten stetig steigen.

Christa hat ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet. Mit 14 Jahren begann sie zu arbeiten und zog allein fünf Kinder groß, nachdem sie mit 38 Jahren Witwe wurde. Fast 30 Jahre lebte sie mit ihrem zweiten Lebensgefährten, der 2019 verstarb. Heute lebt sie in einer genossenschaftlichen Wohnung, die 610 Euro Miete kostet. Ihre Familie, mit Kindern, Enkelkindern und Urenkel, wohnt im Münchner Umland, und dennoch ist der Kontakt oft durch die finanziellen Schwierigkeiten und ihre eingeschränkte Mobilität begrenzt. Christa ist auf einen Rollator angewiesen und kämpft um eine barrierefreie Dusche, da sie Pflegegrad 1 hat und zu 100 Prozent schwerbehindert ist.

Vielfalt im Alltag trotz Einschränkungen

Trotz all dieser Herausforderungen ist Christas Alltag alles andere als eintönig. Sie besucht täglich den Mittagstisch des Caritas-Alten- und Service-Zentrums (ASZ), wo sie nicht nur isst, sondern auch aktiv am Leben teilnimmt. Dort backt sie, geht zum Chi Gong und hält Vorträge über das Kochen. Ihr gesellschaftliches Engagement bringt ein Stück Freude in ihren Alltag und hilft, die Isolation zu durchbrechen, die viele Senioren erleben.

Das ASZ bietet nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch eine Anlaufstelle für viele ältere Menschen. Sozialpädagoge Ralf Emmerich berichtet von den Herausforderungen, mit denen Rentner konfrontiert sind, insbesondere nach dem Verlust eines Partners. Es gibt Beratungsangebote zu Themen wie Grundsicherung, Wohngeld und Pflege, doch viele Senioren sind sich der Möglichkeiten nicht bewusst oder haben Hemmungen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hier kommt das Streetwork-Projekt SAVE ins Spiel.

Projekt SAVE: Unterstützung im Viertel

Das Projekt SAVE, das für „Senior:innen aufsuchen im Viertel durch Expert:innen“ steht, wurde 2019 vom Münchner Stadtrat ins Leben gerufen und zielt darauf ab, ältere Menschen aus ihrer Isolation zu holen. In Zusammenarbeit mit AWO, Diakonie Hasenbergl und Caritas sind Sozialpädagogen mehrmals pro Woche im öffentlichen Raum unterwegs, um Senioren direkt anzusprechen. Sie hören zu, bieten Unterstützung an und vermitteln bei Bedarf an andere Stellen. Themen, die auf den Tisch kommen, reichen von Finanzen über Gesundheit bis hin zu Wohnen und Demenz.

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Die mobile Arbeit der Fachkräfte wird durch Fahrräder unterstützt, und es werden Fortbildungen zu „Motivational Interviewing“ angeboten. Für 2023 beträgt die Fördersumme des Projekts 4.743 Euro. Es ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern und ihnen eine Stimme zu geben.

Die Realität der Altersarmut

Christas Situation ist kein Einzelfall. In Deutschland sind immer mehr ältere Menschen von Armut bedroht. Laut aktuellen Statistiken waren 2024 15,5 % der Bevölkerung von Armut betroffen, und die Armutsgefährdungsquote für Personen ab 65 Jahren lag bei 19,4 %. Besonders Frauen sind in allen Altersgruppen stärker betroffen, was auf geringere Rentenansprüche zurückzuführen ist. In der Altersgruppe der über 75-Jährigen lag die Quote für Frauen sogar bei 21,8 % – das sind alarmierende Zahlen.

Die Herausforderungen, mit denen Senioren wie Christa konfrontiert sind, sind vielschichtig. Während jüngere Menschen oft von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen sind, zeigen die Statistiken, dass ältere Menschen in Deutschland seltener in eine derartige Notlage geraten. Dennoch ist der Druck auf die Renten und die sozialen Sicherungssysteme unübersehbar und erfordert dringende Maßnahmen, um die Lebensqualität älterer Menschen zu sichern.

In diesem Kontext wird deutlich, dass es mehr braucht als nur finanzielle Unterstützung. Die Isolation, in der viele Senioren leben, ist eine Herausforderung, die angegangen werden muss – und Projekte wie SAVE sind der richtige Weg, um diese Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen, wieder Teil der Gemeinschaft zu werden.