In München, wo die Lebensqualität oft in den höchsten Tönen gelobt wird, gibt es auch Geschichten, die einen nachdenklich stimmen. Eine davon ist die von Christa Zimmerer, einer 82-jährigen Rentnerin, die in einer genossenschaftlichen Wohnung im Westend lebt. Mit fünf Kindern, die größtenteils im Münchner Umland wohnen, hat sie viel erlebt. Früher war sie alleinerziehend, hat gearbeitet und war bis zu ihrem 38. Lebensjahr verheiratet. Doch das Leben hat ihr einige Hürden in den Weg gelegt: Sie verlor ihren Job und später auch ihren zweiten Partner. Nun kämpft sie mit einer Rente von etwa 1300 Euro und einem Wohngeld von 330 Euro, was ihr nach Abzug der Miete gerade mal 350 Euro im Monat lässt. Das reicht kaum für den Alltag.

Christa ist eine aktive Frau, die regelmäßig den Mittagstisch im Alten- und Service-Zentrum (ASZ) der Caritas besucht. Dort findet sie nicht nur ein warmes Essen, sondern auch eine Gemeinschaft. „Ich backe einmal pro Woche im ASZ“, erzählt sie mit einem Lächeln, „das hält mich fit!“ Doch die Realität sieht oft anders aus. Sie ist auf einen Rollator angewiesen und hat Pflegegrad 1, was ihr alltägliche Herausforderungen beschert. Eine barrierefreie Dusche wäre für sie ein großer Gewinn, doch die Kosten kann sie sich nicht leisten.

Das Engagement im ASZ

Im ASZ engagiert sich Christa aktiv und trifft dabei auf Ralf Emmerich, einen Sozialpädagogen und Streetworker, der sich leidenschaftlich für die Belange älterer Menschen einsetzt. Emmerich ist Teil des Projekts „SAVE“, das 2019 vom Münchner Stadtrat ins Leben gerufen wurde. Das Ziel? Senior*innen im öffentlichen Raum zu erreichen, sie zu beraten und ihnen zu helfen, die sozialen Kontakte zu finden, die sie dringend brauchen. „Einsamkeit ist ein großes Thema, besonders nach den langen Lockdowns“, merkt Emmerich an. Viele ältere Menschen leiden darunter, und das Projekt hat sich darauf spezialisiert, diesen Menschen eine Stimme zu geben.

Christas Geschichte spiegelt die Realität vieler Rentner im ASZ wider. Viele haben niedrige Renten, oft zwischen 500 und 1200 Euro. Ralf berichtet von seinen Begegnungen mit älteren Herren, die sich über Gespräche freuen und die Angebote des ASZ schätzen. „Manchmal ist es einfach ein Ohr, das man braucht“, sagt er. Die Einsamkeit, die durch die Pandemie verstärkt wurde, ist ein ständiger Begleiter vieler älterer Menschen – einige fühlen sich nach dem Verlust eines Partners in ihrer Wohnung gefangen.

Die Herausforderungen der Einsamkeit

Die Einsamkeit ist nicht nur ein individuelles Problem, sie hat auch gesamtgesellschaftliche Dimensionen. Ältere Menschen haben oft größere Schwierigkeiten, aus der Einsamkeit herauszukommen. Die Gesundheit leidet, und soziale Aktivitäten nehmen ab. Das ist nicht nur für die Betroffenen selbst belastend, sondern auch für die öffentliche Gesundheitsversorgung. 2023 hat die Bundesregierung eine Strategie gegen Einsamkeit beschlossen, um dieser Herausforderung zu begegnen. Initiativen wie Silbernetz e.V. bieten telefonische Unterstützung für einsame Menschen ab 60 Jahren – eine wichtige Anlaufstelle für viele.

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Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, soziale Beziehungen zu pflegen. Denn Einsamkeit kann nicht nur das Wohlbefinden beeinträchtigen, sondern auch die Lebensqualität erheblich mindern. „Wir müssen die Menschen dazu ermutigen, sich zu vernetzen und Hilfe in Anspruch zu nehmen“, betont Emmerich. In einer Stadt wie München, wo das Leben oft hektisch ist, dürfen wir die Bedürfnisse der älteren Generation nicht aus den Augen verlieren.

So bleibt zu hoffen, dass durch die Initiativen im ASZ und die Arbeit von Menschen wie Ralf Emmerich viele Senioren, wie Christa Zimmerer, ein Stück Lebensfreude zurückgewinnen können. In der Gemeinschaft, beim Essen, beim Backen, und in den Gesprächen findet sich oft das, was so viele vermissen: das Gefühl von Zugehörigkeit und Geborgenheit.