In der Seniorenresidenz am Westpark in Laim brodelt die Unruhe. Die Angestellten – und damit auch die Bewohner – stehen vor einem ernsten Problem: Die Mitarbeiter erhalten seit geraumer Zeit kein Gehalt mehr. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Belegschaft, sondern vor allem auf die 42 betagten Bewohner, die um ihre Essensversorgung fürchten. Die Situation ist angespannt und die Sorgen der Senioren sind mehr als berechtigt. Um nicht in die Mangelwirtschaft zu geraten, wurde nun ein italienisches Restaurant beauftragt, die Verpflegung kurzfristig zu übernehmen. Doch die Frage bleibt: Wie lange wird das gutgehen?

Dieses Gebäude hat eine interessante Geschichte. Ursprünglich als Pressehotel für die Olympischen Spiele 1972 geplant, hat es seitdem einen langen Weg hinter sich. Gisela Schmied-Kowarzik, 95 Jahre alt und seit 2016 Teil der Residenz, kann sich vermutlich noch gut an die Hochzeiten der Olympiade erinnern. Doch die Zeiten haben sich geändert. Im Jahr 2019 wurde den Senioren mitgeteilt, dass das Gebäude schimmelbefallen sei und umfassend saniert werden müsse. Viele der über 400 Senioren verließen daraufhin die Residenz, und nun sind nur noch 42 geblieben. Es ist fast so, als ob die verbliebenen Bewohner einen geheimen Club bilden, der sich gegen die widrigen Umstände behaupten muss.

Ein besorgniserregendes Bild

Die Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschärft. Externe Mitarbeiter, die Kurse und Aktivitäten für die Senioren angeboten haben, sind seit Mitte 2025 nicht mehr erschienen – auch sie wurden nicht bezahlt. Vertragsgemäße Leistungen, die das Leben der Bewohner bereichern sollten, sind weggefallen. Kiosk, Lebensmittelladen, Restaurant, physikalische Therapie und ärztliche Dienste sind nur noch leere Erinnerungen. Es ist ein bisschen so, als ob man einem alten, treuen Hund seinen Lieblingsball weggenommen hat. Die Lebensqualität der Senioren leidet spürbar.

Gerade erst im Oktober 2025 wurde den verbliebenen Senioren ein neuer Mietvertrag angeboten. Die Miete sollte um 15% sinken, aber was war das Problem? Dieser neue Vertrag beinhaltete nur die Apartments ohne jegliche Betreuungs- und Serviceleistungen. Verständlicherweise lehnten die Senioren diesen Vorschlag ab. Schließlich ist ein Zuhause mehr als nur vier Wände – es braucht Betreuung, Gemeinschaft und einen gewissen Komfort, den sie seit Jahren in der Residenz hatten.

Die Verantwortung der Stadt

Der Laimer Unterausschuss Soziales hat die Residenz besucht und seine Besorgnis über die vorherrschenden Zustände geäußert. Pflegeexperte Claus Fussek sieht die Stadt München in der Verantwortung für die Versorgung der Senioren. Es ist, als ob ein Schatten über dem Westpark schwebt, und die Frage bleibt: Was wird aus den alten Menschen, die sich hier ein Leben aufgebaut haben? Die Alpensicht GmbH, Hauptmieterin des Gebäudes, hat zwar eingeräumt, den Bewohnern neue Mietverträge angeboten zu haben, sieht jedoch die Verantwortung bei der Seniorenresidenz, die sich bisher nicht äußerte. Ein Spiel, in dem die Senioren am Ende die Verlierer zu sein scheinen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die mutmaßliche Absicht, die verbliebenen Senioren aus dem Haus zu drängen, um die Apartments teurer an normale Mieter zu vermieten, sorgt für zusätzlichen Unmut. Und während die Arbeiten am Gebäude seit über 14 Jahren stocken, bleibt die Frage, wie lange die Senioren weiterhin in dieser unsicheren Lage leben können. Für viele von ihnen ist es nicht nur eine Frage des Wohnraums, sondern der Sicherheit und der Würde im Alter – und die scheint hier mehr als gefährdet.