Der Fasaneriesee – ein Ort, der für viele Münchner ein Stück Lebensqualität bedeutet. Doch für Thomas Reuel, der seit Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ist der Zugang zu diesem beliebten Schwimmplatz durch eine neue Rampe zu einer unüberwindbaren Hürde geworden. Seit dem Sommer 2025 kann er nicht mehr schwimmen, und das, obwohl er diesen Ort früher regelmäßig besucht hat, um sich im Wasser zu erfrischen.
Die Stadt München hat zwar eine Stahlrampe für einen barrierefreien Zugang eingerichtet, doch die Realität sieht anders aus. Am Ende der Rampe wartet eine steile Leiter ins Wasser – ein unüberwindbares Hindernis für Thomas. Zuvor gab es eine breite Betontreppe mit einem Edelstahlgeländer, die er nutzen konnte, um sich mit seinen Armen ins Wasser zu behelfen. Diese Treppe wurde jedoch entfernt, und die neue Rampe hat sich für ihn als eine schmerzhafte Barriere entpuppt. Das Kriechen über das Stahlgitter ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich.
Ein Aufschrei für Barrierefreiheit
Der Anblick, wie Kinder die neue Rampe nutzen, um ins Wasser zu springen, macht die Situation für Thomas noch frustrierender. Er hat bereits Beschwerden an den Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl gerichtet, der daraufhin Nachbesserungen forderte. Im September 2025 stellte der Bezirksausschuss einen Antrag auf die Ergänzung von Treppen mit einem Geländer an beiden Rampen. Ein kleiner Fortschritt, könnte man meinen, doch die Umsetzung verzögert sich aufgrund der notwenigen wasserrechtlichen Erlaubnis vom Wasserwirtschaftsamt.
Die Unterlagen für den Feldmochinger See sind bereits eingereicht, während die für den Fasaneriesee noch in Vorbereitung sind. Thomas hofft, dass die Genehmigung bald erteilt wird, damit er im kommenden Sommer wieder schwimmen kann – ein kleiner Lichtblick in einer ansonsten trüben Situation.
Barrierefreiheit als Pflicht
Das Thema Barrierefreiheit ist in Deutschland ein immer wichtiger werdendes Anliegen. Viele Initiativen und Richtlinien, wie die von der Agentur Barrierefrei NRW, setzen Standards für die Gestaltung des öffentlichen Raums. Die Bayerische Architektenkammer hat in Zusammenarbeit mit dem Staatsministerium Leitfäden veröffentlicht, die sicherstellen sollen, dass öffentliche Einrichtungen für alle zugänglich sind. Es gibt zahlreiche Handbücher und Leitlinien – von der barrierefreien Gestaltung von Gehwegen bis hin zu speziellen Vorschriften für den ÖPNV. Dennoch bleibt die Umsetzung oft hinter den Erwartungen zurück, wie das Beispiel von Thomas Reuel eindrücklich zeigt.
In den letzten Jahren hat sich zwar viel getan, doch es ist offensichtlich, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt. Währenddessen bleibt die Hoffnung, dass auch der Fasaneriesee bald wieder für alle zugänglich sein wird – nicht nur für die Kinder, die unbeschwert ins Wasser springen, sondern auch für Menschen wie Thomas, die einfach nur schwimmen möchten.