Im Münchner Osten, wo sich zwei bedeutende Magistralen des europäischen Güterverkehrs kreuzen – die Nord-Süd-Verbindung und der Rhein-Donau-Korridor – droht ein Flaschenhals die Entwicklung des Schienentransports zu behindern. Besonders in Trudering ist der Handlungsbedarf offensichtlich. Die Deutsche Bahn hat nun Pläne vorgestellt, um diesem Engpass entgegenzuwirken. Geplant sind der Bau der Daglfinger und Truderinger Kurve sowie der Ausbau der Truderinger Spange. Diese Maßnahmen sollen den Güterbahnhof Riem besser an das europäische Schienennetz anschließen und somit einen Beitrag zum Wachstum des Schienentransports leisten.
Die Anwohner in Trudering sind jedoch besorgt. Bereits 2018 begannen die ersten Proteste, als die Ausbaupläne bekannt wurden. Sie fürchten sich vor höheren Emissionen, Lärm und Erschütterungen, die durch die zusätzlichen Güterzüge verursacht werden könnten. Peter Brück, ein Anwohner und Vertreter einer Bürgerinitiative, hat jedoch Respekt für die neue Herangehensweise der Deutschen Bahn. Die Gespräche zwischen den betroffenen Parteien haben bereits zu einigen Verbesserungen geführt. Eine fast 700 Meter lange Einhausung der Truderinger Spange sowie ein innovatives Masse-Feder-System zur Minderung von Erschütterungen sind bereits in Planung. Zudem sollen Lärmschutzwände von vier bis sechs Metern Höhe entlang von neun Kilometern Schienen installiert werden.
Verkehrsberuhigung und Infrastrukturverbesserungen
Die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sind ebenfalls Teil der Planung. So ist die Stilllegung der Unterführung an der Thomas-Hauser-Straße sowie die Schließung von drei Bahnübergängen vorgesehen, um die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Darüber hinaus werden im Münchner Osten auch Radinfrastrukturverbesserungen angestrebt, um den umweltfreundlichen Verkehr weiter zu fördern.
Ein weiterer Punkt, der in den Diskussionen berücksichtigt werden muss, ist die internationale Anbindung. Der Ausbau des Bahnabschnitts Daglfing-Johanneskirchen von zwei auf vier Gleise ist ein weiterer Schritt, der in die Zukunft des Schienentransports führt. Während Länder wie Italien und Österreich beim Brenner Basistunnel Fortschritte machen, sieht sich Deutschland mit Herausforderungen konfrontiert. Der Bundestag hat bislang noch keine finale Entscheidung zum Güterverkehr im Inntal getroffen, was die Unsicherheit in der Planung verstärkt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Deutsche Bahn plant, beim Eisenbahn-Bundesamt die Planfeststellung zu beantragen, ein Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen könnte. Ein möglicher Baubeginn ist für 2031 vorgesehen, die Fertigstellung könnte jedoch erst 2039 erfolgen. Die Anwohner befürchten, dass veraltete Verkehrszahlen aus dem Jahr 2016 die Planungen negativ beeinflussen könnten, und hoffen auf eine zeitnahe Berücksichtigung aktueller Daten.
Der Transport von Gütern spielt eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft und die alltägliche Versorgung. Ein zuverlässiger Gütertransport ist nicht nur für den wirtschaftlichen, sondern auch für den gesellschaftlichen Wohlstand unerlässlich. Allerdings trägt der Verkehrssektor, insbesondere der Güterverkehr, erheblich zu klimaschädlichen Treibhausgasemissionen bei. Hier kommt der umweltfreundliche Schienengüterverkehr ins Spiel, der eine Schlüsselrolle bei der Lösung dieses Dilemmas spielen kann.
Das Ministerium hat sich zum Ziel gesetzt, den Marktanteil des Schienengüterverkehrs bis 2030 auf mindestens 25 Prozent zu steigern. Der Masterplan Schienengüterverkehr bildet das zentrale Maßnahmenpaket, um dieses Ziel zu erreichen. Die Entwicklungen in Trudering sind daher nicht nur lokal von Bedeutung, sondern stehen auch im Kontext einer übergeordneten Strategie zur Stärkung des Schienengüterverkehrs in Deutschland.