Wanderlust für alle: Gemeinsam die Natur erleben
Heute ist der 6.07.2026 und die Sonne strahlt über München, während sich eine bunte Gruppe von rund 40 Teilnehmern an der Würm versammelt. Unter ihnen sind auch Stefanie Bernhard und Marianne Thelen, die seit nunmehr zehn Jahren als Team bei inklusiven Wanderungen agieren. Während Stefanie aufgrund ihrer Sehbehinderung Farben und Formen nur eingeschränkt wahrnimmt, sorgt Marianne als stellvertretende Wanderleiterin der Naturfreunde Würmtal dafür, dass alle Teilnehmer – mit oder ohne Behinderung – ein tolles Erlebnis haben.
Diese Wanderungen sind mehr als nur ein einfacher Spaziergang. Sie sind ein Zeichen der Gemeinschaft und der Rücksichtnahme. Die Gruppe nimmt bewusst Rücksicht auf die Bedürfnisse aller, inklusive der Rollstuhlfahrer. Birgit Winter, die das Projekt „Alpen Leben Menschen“ (A.L.M.) organisiert, hat es sich zur Aufgabe gemacht, inklusive Wanderungen anzubieten. Es ist jedoch nicht immer einfach, barrierefreie Ausflüge zu planen. Kleine Steine, Bordsteinkanten und fehlende Informationen können echte Herausforderungen darstellen. Besonders digitale Tourenbeschreibungen lassen oft zu wünschen übrig, wenn es um die Barrierefreiheit geht.
Ein Weg für alle
Norbert Stölzer, ein ebenso inspirierender Teilnehmer, bringt noch eine weitere Facette in die Wanderung. Als Physiotherapeut mit einer Sehbehinderung von nur zwei Prozent möchte er beweisen, dass er die Natur wie jeder andere erleben kann. Oft nutzt er seinen Blindenstock, doch das hält ihn nicht davon ab, die Wanderung in vollen Zügen zu genießen. Die Strecke an der Würm ist an diesem Tag größtenteils eben und hindernisfrei – ein wahrer Glücksgriff!
Die Freude der beiden Frauen ist ansteckend. Sie genießen nicht nur die Bewegung, sondern lernen auch viel über die Umwelt und ihre Mitmenschen. „Es ist einfach schön, gemeinsam draußen zu sein – das gibt einem so viel zurück“, sagt Marianne mit einem Lächeln. Und genau das ist es, was diese Wanderungen so besonders macht. Es geht nicht nur um die Bewegung, sondern auch um die Gemeinschaft und das Miteinander.
Herausforderungen der Barrierefreiheit
Natürlich gibt es auch Herausforderungen, die nicht ignoriert werden können. Kopfsteinpflaster, unebene Schotterwege und das Fehlen von barrierefreien Toiletten können oft das Abenteuer trüben. Doch die Organisatoren sind darauf vorbereitet. Vor jeder Wanderung wird die Strecke von ihnen abgelaufen, um sicherzustellen, dass alles für die Teilnehmer in Ordnung ist. Das ist ein wichtiger Schritt für alle, die an diesen Erlebnissen teilnehmen möchten.
Für die Planung barrierefreier Reisen gibt es einige empfohlene Quellen, die helfen können: Reisen für Alle bietet ein bundesweit einheitliches Kennzeichnungssystem, während das Bayern-Portal es ermöglicht, Angebote nach individuellen Bedürfnissen zu filtern. Auch regionale Portale wie oberbayern.de und Wheelmap.org, eine Karte zur Überprüfung der Rollstuhlgerechtigkeit, sind äußerst nützlich. Zudem bieten Tourenportale wie Komoot eine Vielzahl an barrierefreien Touren, auch wenn die Qualität variiert.
So bleibt die Hoffnung, dass mehr Menschen – unabhängig von ihren Fähigkeiten – die Schönheit der Natur erleben können. Die Leidenschaft und der Einsatz von Menschen wie Stefanie, Marianne und Norbert machen deutlich, dass der Weg für alle geebnet werden kann. Und das ist doch das, was das Leben lebenswert macht, oder?
