Zehn Jahre nach dem Terror: München gedenkt der neun Engel und fordert Gerechtigkeit
Heute ist der 22.07.2026 und in München wird eine besondere Gedenkfeier abgehalten. Zehn Jahre sind vergangen, seit ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen aus rassistischen und rechtsextremen Motiven erschoss. Ein schwerer Schatten liegt auf diesem Tag, der als der Tag des Grauens in die Geschichte eingehen wird. Die Angehörigen der Opfer, die sie liebevoll als „neun Engel“ bezeichnen, sind heute hier, um ihrer geliebten Menschen zu gedenken: Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık, Roberto Rafael, Sabine S., Selçuk Kılıç und Sevda Dağ. Ein schmerzlicher Anlass, der die Herzen schwer macht.
Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist gekommen, um den Opfern Respekt zu zollen. Gemeinsam mit den Angehörigen und vielen anderen, die sich versammelt haben, wird eine Schweigeminute eingelegt. Um 17:51 Uhr, dem Zeitpunkt der ersten Schüsse, steht der öffentliche Nahverkehr still. Die Geste ist ein stiller, aber eindringlicher Ausdruck des Gedenkens, der Trauer und der Solidarität. In dieser schmerzhaften Stille wird deutlich, wie tief der Schmerz der Angehörigen sitzt. Viele von ihnen äußern ihren Unmut über das staatliche und politische Handeln und fordern mehr Informationen über die Ermittlungen, die ihrer Meinung nach viel zu lange im Dunkeln geblieben sind.
Ein kritischer Blick auf die Vergangenheit
Die Kritik ist laut und deutlich. Angehörige empfinden es als unerträglich, dass die Staatsregierung die Tat lange Zeit als unpolitischen Amoklauf abtat und die rechtsextreme Motivation nicht ausreichend benannte. Dies ist für viele, die heute hier stehen, ein untragbarer Zustand. Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich (alle CSU) sind anwesend und hören den Reden der Angehörigen zu. Sie sind Zeugen des Schmerzes, der Wut und der Forderungen nach Gerechtigkeit. Die Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause betonen die Notwendigkeit, rechtsextremen Terror klar zu benennen.
Die Gedenkfeier ist nicht nur eine Trauerveranstaltung, sondern auch ein Ort des Protests. Porträts der Opfer stehen aufgestellt, und ein Transparent mit der Aufschrift „München OEZ war rechter Terror“ verdeutlicht die Botschaft, die hier laut und deutlich verkündet wird. Hacı Dağ, der Ehemann von Sevda, sowie Yasemin Kılıç, die Mutter von Selçuk, verlangen nach Wahrheit und Aufklärung über die Umstände des Anschlags. Ihr Schmerz ist greifbar, und ihre Stimmen durchdringen die Stille, die heute über dem OEZ liegt.
Ein Aufruf zur Erinnerung und Veränderung
Bundespräsident Steinmeier spricht eindringlich zu den Versammelten. Er betont, dass der rassistische Anschlag nicht nur die Angehörigen der Opfer betrifft, sondern das ganze Land. Seine Worte sind eine Mahnung, dass wir die Gesellschaft nicht in eine Richtung driften lassen dürfen, in der feindliches Klima gegenüber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte Normalität wird. „Wir müssen gemeinsam gegen den Hass stehen“, sagt er und ruft zur Solidarität auf. Es ist eine Botschaft, die nicht nur heute, sondern in jeder Zeit Gültigkeit hat.
Inmitten all der Trauer und des Schmerzes gibt es auch den unbedingten Willen zur Aufklärung. Die Angehörigen fordern einen Untersuchungsausschuss im Landtag, um das staatliche Handeln zu beleuchten. Sie verlangen Antworten auf Fragen, die über ein Jahrzehnt hinweg unbeantwortet blieben. Ungewissheit macht sich breit, und die Zeit drängt, denn Erinnerung darf nicht verblassen. Die Gedenkfeier im OEZ wird so zu einem kraftvollen Akt des Gedenkens und des Protests, der uns alle zum Nachdenken anregt.
