In München, mitten im bunten Treiben der Stadt, lebt Christiana Bukalo, eine 28-jährige Frau, die mit einem Schicksal kämpft, das für viele unvorstellbar ist. Geboren im Jahr 1994, sind ihre Wurzeln in Westafrika, wo ihre Eltern einst Zuflucht suchten. Doch Christiana bringt nicht nur ihre Geschichte mit, sondern auch ein großes Problem mit sich: Sie ist staatenlos. Ihre Geburt wurde nicht durch eine Geburtsurkunde, sondern lediglich durch eine Registrierung dokumentiert – ein Umstand, der ihr das Leben erheblich erschwert.

In Deutschland gilt, dass man nicht automatisch die Staatsangehörigkeit erhält, nur weil man hier das Licht der Welt erblickt hat. So war es auch bei Christiana. Bei ihrer Abifahrt nach Spanien wurde ihr zum ersten Mal richtig bewusst, was das für sie bedeutet: ohne Ausweis reisen? Eigentlich unmöglich! Und als sie vor Kurzem nach Marrakesch reisen wollte, erlebte sie erneut, was es heißt, staatenlos zu sein – die Einreise wurde ihr verweigert. Trotz aller Bemühungen, die Botschaft und die Ausländerbehörde um Unterstützung zu bitten, blieb sie ohne hilfreiche Informationen. Im Ersatzpass steht schlichtweg „all countries“, was in der Praxis bedeutet, dass sie ein spezielles Visum beantragen hätte müssen. Eine Hürde, die man als normaler Reisender nicht einmal im Traum in Betracht ziehen würde.

Ein Leben ohne Rechte

Die Auswirkungen ihrer Staatenlosigkeit sind gravierend. Christiana kann nicht heiraten, nicht wählen und besitzt keine Geburtsurkunde, geschweige denn einen Personalausweis. Auch der Zugang zu Bildung ist eingeschränkt; sie konnte sich nicht an einer staatlichen Universität immatrikulieren und musste auf eine private Institution ausweichen, was sie in die Schuldenfalle trieb. In Bayern leben etwa 3.500 anerkannte Staatenlose, doch die bürokratischen Hürden, die sie überwinden müssen, sind groß. Die Akzeptanz ihrer Staatenlosigkeit kam erst mit 28 Jahren, was ihr ein wenig mehr Stabilität und die Aussicht auf einen Aufenthaltstitel gab.

Vor fünf Jahren gründete sie den Verein Statefree, der sich für die Rechte von Staatenlosen starkmacht. Gemeinsam mit Politikern arbeitet sie daran, die Thematik ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Lösungen zu finden. Ein Sprecher des Innenministeriums gab zu verstehen, dass anerkannte Staatenlose sich unter bestimmten Bedingungen einbürgern lassen können, aber in der Realität gestaltet sich dieser Prozess oft als äußerst schwierig. Statefree hat sich sogar die Aufgabe gesetzt, ein digitales Verfahren zur Feststellung der Staatenlosigkeit zu entwickeln, um Betroffenen zu helfen.

Die Zahlen sprechen für sich

Aktuell sind in Deutschland rund 28.800 Personen als staatenlos registriert – eine erschreckende Zahl, die sich aus dem Ausländerzentralregister ergibt. Darüber hinaus gibt es 92.900 Personen, deren Staatsangehörigkeit als „ungeklärt“ gilt. Für diese Menschen ist die Suche nach Identität und Zugehörigkeit eine tägliche Herausforderung. Laut Art. 15 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht auf eine Staatsangehörigkeit, doch die Realität sieht oft anders aus. Staatenlosigkeit führt zu einem tiefen Gefühl der Unsicherheit, da viele Rechte an die Staatsangehörigkeit gebunden sind.

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Die internationale Gemeinschaft hat sich in der Vergangenheit mit diesem Thema beschäftigt. Wichtige völkerrechtliche Übereinkommen, wie das Übereinkommen über die Rechtsstellung der Staatenlosen von 1954, zielen darauf ab, Staatenlosigkeit zu reduzieren und die Rechte der Betroffenen zu stärken. Deutschland hat diese Abkommen ratifiziert und in nationales Recht umgesetzt. Dennoch bleibt die Einbürgerung für viele ein steiniger Weg, der oft von bürokratischen Hürden und langen Wartezeiten geprägt ist.

Für Kinder staatenloser Eltern, die in Deutschland geboren wurden, gibt es einen besonderen Einbürgerungsanspruch, doch auch hier sind bestimmte Bedingungen zu erfüllen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bemühungen von Menschen wie Christiana Bukalo und ihrem Verein Statefree nicht umsonst sind und sich die Situation für Tausende von Betroffenen in naher Zukunft verbessern wird.