Heute ist der 6.05.2026, und die Maxvorstadt in München hat einen schmerzhaften Verlust erlitten. Das traditionsreiche Geschäft „Gebrüder Suckfüll – Detailgeschäft für Eisen- und Haushaltswaren“, gegründet 1932 von Karl und Stefan Suckfüll, schließt nach mehr als neun Jahrzehnten seine Türen. Wolfgang Suckfüll trägt zivil, um den Fragen der Kunden über die Schließung zu entgehen. Ein kluger Schachzug, denn die Traurigkeit über das Ende eines Ankerpunkts in der Nachbarschaft ist spürbar.

Der Räumungsverkauf, der bis Ende Juli läuft, zieht zahlreiche Kunden an. Auf 1000 Quadratmetern stehen über 30.000 Artikel zur Verfügung, und die Schnäppchenjäger sind nicht zu bremsen. Grüne Eimer dienen als improvisierte Einkaufswagen, während die Preise für viele Produkte drastisch reduziert sind. Susanne Suckfüll, die an diesem ersten Tag des Verkaufs Beileidsbekundungen von treuen Stammkunden entgegennimmt, spiegelt das Gefühl vieler wider: Ein Stück Heimat geht verloren. Der Andrang ist groß, aber der Rückgang der Stammkunden und die traurige Situation im Geschäft sind unübersehbar.

Die Gründe für die Schließung

Die Schließung ist nicht einfach eine Entscheidung, die über Nacht getroffen wurde. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines mehrjährigen Strukturbruchs im Einzelhandel. Der Druck auf kleine, eigentümergeführte Geschäfte hat zugenommen. In Zeiten, in denen Supermärkte während der Pandemie ihre Non-Food-Flächen ausgebaut haben, bleibt für kleine Einzelhändler kaum Platz. Die Kunden haben ihre Kaufgewohnheiten verändert; viele scheinen sich zunehmend im Online-Handel zurechtzufinden. So stieg der Anteil des Online-Handels auf 20 Prozent. Wolfgang Suckfüll spricht von Umsatzeinbrüchen bei gleichzeitig unveränderten Kosten. Ein Teufelskreis, der sich kaum durchbrechen lässt.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Langfristige Baustellen haben den Zugang zum Geschäft erschwert, und die Stammkundschaft, die früher die Werkstatt besucht hat, ist ebenfalls zurückgegangen. Politische Entscheidungen, die große Logistikzentren begünstigen, verschärfen den Wettbewerb für kleine Händler zusätzlich. Es ist ein Strukturwandel, der viele von uns in den Städten betrifft, besonders in kleineren und mittelgroßen Städten, wo die Attraktivität des Einzelhandels schwindet.

Ein Blick auf die Zukunft

Was bleibt von einem Geschäft, das seit Generationen besteht? Erinnerungen, Geschichten und eine tiefe Verbundenheit zu den Kunden. Der eigentümergeführte Handel ist für die Lebensqualität in Städten unerlässlich. Rund 90 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten in kleinen Betrieben. Doch der demografische Wandel und eine alternde Bevölkerung treffen gerade diese Geschäfte hart. Kleinere Betriebsformen können oft dem Preis- und Angebotswettbewerb nicht standhalten. Die Folgen sind spürbar: Sinkende Umsätze und Tragfähigkeitsprobleme sind an der Tagesordnung.

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Die Familie Suckfüll hat entschieden, dass es keine vierte Generation im Geschäft geben wird. So schließt sich ein Kapitel, das viele in der Maxvorstadt tief betroffen macht. Der Verlust eines solchen Geschäfts ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein emotionaler. Es bleibt zu hoffen, dass die Erinnerungen an die Gebrüder Suckfüll, ihre Produkte und ihren Service in den Herzen der Kunden weiterleben.