Schulhöfe neu gedacht: Vom stillen Ort zum lebendigen Spielraum für alle
In den letzten Jahren hat sich in München einiges getan, wenn es um die Nutzung von Schulhöfen geht. Ein Verein, der sich leidenschaftlich dafür einsetzt, ist die Spiellandschaft Stadt. Die zentrale Figur in diesem Vorhaben ist Gerhard Knecht, der unermüdlich dafür kämpft, dass Schulhöfe nicht nur während der Schulzeit, sondern auch danach als Spiel- und Begegnungsorte für Kinder und Familien zur Verfügung stehen. Denn mal ehrlich, viele dieser Höhlen der Kreativität und des Abenteuers sind nachmittags, am Wochenende und in den Ferien einfach dicht – was für eine vertane Chance! Aktuell öffnen bereits 46 Schulen in München ihre Höfe regelmäßig, und das ist erst der Anfang.
Ein ganz besonderes Highlight war der Aktionstag an der Kafka-Schule in Neuperlach, wo die neue Broschüre „Vom Schulhof zum Spielhof als Lebensraum“ vorgestellt wurde. Die Kafka-Schule ist seit den 90er-Jahren aktiv in diesem Projekt und organisiert regelmäßig Workshops, die bei den Schülerinnen gut ankommen. Schulleiterin Julia Sazarovicz setzt sich für die Idee ein, den Schulhof zu einem lebendigen Treffpunkt für alle zu machen. Während eines Workshops konnten die Kinder kleine Holzautos bauen und ein großes Fahrzeug für einen Parcours zusammenschrauben. Das klingt nach richtig viel Spaß!
Vandalismus und kreative Lösungen
Allerdings gibt es auch Herausforderungen. So übernahm Marion Lang die Schulleitung, als der Schulhof bereits geöffnet war. Zu Beginn war der Schulhof wenig bekannt, und es gab nur wenige Spielaktionen. Oft wurde der Platz von Jugendlichen, vermutlich ehemaligen Schülerinnen, genutzt, was nicht immer friedlich ablief. Vandalismus führte sogar zu reduzierten Öffnungszeiten. Doch die Intensivierung der Spielaktionen hat die Atmosphäre merklich verbessert. Gerhard Knecht beschreibt, wie Materialien zum Spielen mitgebracht werden, und in den letzten Jahren wurde eine mobile Werkstatt eingesetzt, um zusammen mit den Kindern Spielmaterialien zu bauen. Das Ergebnis? Attraktive Spielgeräte, wie eine Murmelbahn aus Alltagsgegenständen, die jetzt die Pausenzeiten aufpeppen.
Die Schulhöfe sind nicht nur für die Schüler*innen wichtig, sondern fördern auch die Vernetzung mit Stadtteilakteuren wie „Urbanes Wohnen e. V.“ und dem Kindertreffpunkt Neuperlach. Ein weiteres Plus ist der frei zugängliche Bücherschrank auf dem Schulhof, der durch den Verfügungsfonds Neuperlach und den Bezirksausschuss 16 finanziert wurde. Marion Lang sieht sogar Potenzial für mehr Programme, wie etwa Sport- und Spielangebote oder Flohmärkte. Die Idee eines Sicherheits- und Absperrdienstes zur Entlastung der Hausmeister steht ebenfalls zur Diskussion. So bleibt der Schulhof ein sicherer Ort für alle.
Schulhöfe als Lernorte
Aber warum ist das alles so wichtig? Die Antwort liegt in der Gestaltung von Schulfreiräumen. Sie sind nicht nur Orte des Spielens, sondern auch des informellen Lernens. Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit in Ganztagsschulen und Pausenräumen – im Schnitt zwischen 500 und 900 Minuten pro Woche. Dabei übersteigen die wöchentlichen Pausenzeiten die Bewegungszeiten in Sportstunden. Ein bewegungsfreundlicher Schulhof kann dazu beitragen, dass Kinder die notwendige aktive Zeit von etwa einer Stunde täglich erreichen. Laut aktuellen Studien bewegen sich 75% der Kinder im Grundschulalter weniger als eine Stunde pro Tag – das ist alarmierend!
Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft, besonders für benachteiligte Kinder. Ein Schulhof sollte daher nicht nur Bewegungsräume bieten, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten und Platz für Freundschaften. Die Gestaltung sollte gemeinsam mit den Kindern erfolgen, um ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen. Denn letztendlich sind es die Kinder, die diesen Raum mit Leben füllen. Und wenn die Schulhöfe denn mal offen sind, dann ist das für alle ein Gewinn!
