Am 13. April 2026 war es endlich so weit: Lena Fiedler und Dominik Lehmair gaben sich das Ja-Wort im Starnberger Standesamt. Die beiden hatten einen langen Weg hinter sich, geprägt von Trauer und Verlust. Lena hatte ihren Mann Ben, der 2021 an einem Klarzellsarkom starb, und Dominik verlor seine Frau Jenny an einem Hirntumor. In einer Trauergruppe für junge Verwitwete, organisiert von der „Nicolaidis YoungWings Stiftung“, begegneten sie sich und fanden zueinander. Es war eine Beziehung, die aus gemeinsamer Trauer und neuem Glück gewachsen ist.

Ihre Liebe begann 2022 mit einem gemeinsamen Spaziergang – einer 15 Kilometer langen Wanderung von Gauting nach Starnberg. Ein echtes Abenteuer, das nicht nur die Natur um sie herum, sondern auch ihre Herzen miteinander verband. Lena entschied sich schließlich, ihre Wohnung in München aufzugeben und zu Dominik nach Planegg zu ziehen. „Das war der beste Schritt meines Lebens“, sagt sie strahlend. Lena arbeitet als Softwareberaterin, während Dominik als Behälterkonstrukteur bei BMW tätig ist. Beide engagieren sich aktiv in ihrer neuen Gemeinschaft, Lena wurde sogar in den Gemeinderat von Planegg gewählt.

Ein unvergesslicher Hochzeitstag

Die Trauung selbst war etwas ganz Besonderes. Nach dem Fußmarsch, der sie zum Standesamt führte, wurden sie mit Seifenblasen empfangen – ein bunter, fröhlicher Empfang, der die Ernsthaftigkeit des Moments auflockerte. Unter den Gästen war auch Mike Town, der Vater von Dominiks erster Frau, und es war offensichtlich, dass trotz der Trauer, die beide zuvor erlebt hatten, Freude und Hoffnung in der Luft lagen. Ursprünglich war eine Trauung im Garten des Starnberger Schlosses geplant, doch die Kälte machte einen Strich durch die Rechnung. So fand das Paar schließlich im Standesamt zueinander, was dem Tag jedoch keinen Abbruch tat.

Im Sommer 2027 planen Lena und Dominik eine große Hochzeitsfeier, zu der auch die Mitglieder ihrer Trauergruppe eingeladen sind. „Es ist wichtig, die Menschen, die uns in dieser schweren Zeit unterstützt haben, an unserem Glück teilhaben zu lassen“, sagt Lena mit einem Lächeln. Neben der Planung ihrer Feier engagiert sie sich seit März 2023 ehrenamtlich in der Trauerbegleitung und leitet eine Online-Gruppe für Menschen um die 30, die einen Partner verloren haben. Sie möchte anderen helfen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Trauerarbeit braucht Unterstützung

Die Bedeutung von Trauerarbeit wird immer mehr erkannt. Prof. Dr. Martin Burgi von der LMU München hat im Auftrag der Nicolaidis YoungWings Stiftung ein Gutachten erstellt, das auf die wachsende Nachfrage nach Trauerberatung hinweist. Er fordert, dass der Staat sich um Angehörige kümmert – ähnlich wie zu Beginn des Lebens. Es gibt keinen spezifischen Fördertatbestand für Trauerarbeit in der Sozialgesetzgebung, und das soll sich ändern. Der Vorschlag, Trauerarbeit als neuen sozialrechtlichen Fördertatbestand zu etablieren, könnte eine wichtige Grundlage für institutionelle Förderung schaffen.

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Die Notwendigkeit, Menschen in ihrer Trauer nicht alleine zu lassen, wird immer drängender. Ob in Trauergruppen oder durch spezielle Angebote wie das „Café Achterbahn“ in Hamburg, wo Jugendliche kreativ mit ihren Gefühlen umgehen können, oder den „KiTT – KinderTrauerTreff“ in Dresden, der Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren einen geschützten Raum bietet – die Unterstützung ist vielfältig. Es ist wichtig, dass die Trauerarbeit ernst genommen wird, denn jeder Verlust ist einzigartig und bedarf einer individuellen Begleitung.

In München und darüber hinaus gibt es viele Initiativen, die sich für Trauerarbeit stark machen. Ehrenamtliche Helfer der Malteser engagieren sich in der Kinder-Trauerbegleitung und schaffen geschützte Räume, in denen Kinder und Jugendliche offen über ihre Gefühle sprechen können. In der Gruppe wird nicht nur geredet – es wird auch gespielt, gelacht und einfach nur zugehört. Diese Aktivitäten helfen den Kindern, den Verlust zu verarbeiten und die neue Lebenssituation anzunehmen.