In Bogenhausen, einem der charmantesten Stadtteile Münchens, brodelt es. Hier treffen sich derzeit politische und gesellschaftliche Strömungen auf ungewöhnliche Weise. Der Streit um die zukünftige Nutzung der Nazarethkirche, die kürzlich ihre evangelische Gemeinde verabschiedete, hat die Gemüter erregt. Nach der Fusion mit der Immanuelgemeinde steht die Kirche nun im Mittelpunkt einer Debatte, die sowohl Anwohner als auch politische Parteien betrifft. Die CSU hat sich in den letzten Tagen besonders hervorgetan, indem sie Anwohner zu einem Gespräch einlud, um deren Bedenken zu hören. Doch die Wogen sind hoch, und nicht alle sind mit der Vorgehensweise der CSU einverstanden.

Die mögliche neue Nutzung der Kirche durch eine äthiopisch-orthodoxe Gemeinde sorgt für Gesprächsstoff. Die CSU argumentiert, dass die Veranstaltung im Rahmen ihrer Mandatsarbeit stattfand und keine fremdenfeindlichen Äußerungen getätigt wurden. Auf der anderen Seite äußern SPD und Grüne Bedenken, dass die CSU beim Umgang mit diesem sensiblen Thema nicht die nötige Sensibilität walten ließ. Insbesondere die Ausladung von Stadtdekan Bernhard Liess führte zu weiteren Spannungen und Kritik. Moser, der Vorsitzende des Bezirksausschusses, bezeichnete dies als unzulässig und mahnte zu einem respektvollen Umgang miteinander.

Die Viecherlmesse und ihre Bedeutung

Am vergangenen Wochenende fand in der Nazarethkirche eine ganz besondere Veranstaltung statt: die Viecherlmesse von Pfarrer Rainer Maria Schießler. Das Event, das die Segnung von Haustieren beinhaltete – von Hunden bis hin zu kleinen Hamstern – war nicht nur ein Abschied für Schießler, der interimistisch in der evangelischen Kirche tätig war, sondern auch eine letzte Feierlichkeit für die Gemeinde, die sich bereits im September 2025 von der Kirche verabschiedet hatte. Die Atmosphäre war feierlich, die Kirche war erfüllt von fröhlichem Gebell und dem Geschnatter der kleinen Tiere. Ein schöner, fast melancholischer Moment, der die Herzen vieler Besucher berührte.

Die Debatte um die zukünftige Nutzung der Nazarethkirche, die als denkmalgeschütztes Gebäude an der Barbarossastraße steht, ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Die CSU hat das Thema aufgegriffen und plant, die Beschwerden der Anwohner juristisch zu prüfen. Unklar bleibt, wie die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde, die etwa 3.500 Mitglieder in Bayern hat und 350 in München, die Kirche tatsächlich nutzen könnte. Stadtdekan Liess hat bereits darauf hingewiesen, dass die Nutzung durch diese Gemeinde vermutlich nicht zu einer hohen Besucherzahl führen wird. Ein Aspekt, der möglicherweise die Sorgen der Anwohner in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Der Streit um die Kommunikation

Ein weiterer Punkt, der die Diskussion anheizt: Die CSU ließ bei der Einladung zur Veranstaltung die Logos ihrer Partei drucken, was von BA-Chef Samuel Moser scharf kritisiert wurde. Er sieht hierin einen unzulässigen Versuch, die Veranstaltung zu politisieren. Auch Pfarrer Markus Rhinow äußerte Bedenken über einen „subtilen fremdenfeindlichen Unterton“ in der Diskussion. Die evangelische Kirche plant, einen Infoabend für die Nachbarschaft abzuhalten, um die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen und transparent zu kommunizieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Situation entwickeln wird und ob ein respektvoller Dialog zwischen den verschiedenen Parteien möglich sein wird.

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Die Thematik rund um Kirchenumbauten und -nutzungen ist nicht neu. In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Publikationen, die sich mit der Umnutzung von Kirchen befassen. Die Frage, wie man mit den oft leerstehenden Gotteshäusern umgehen soll, beschäftigt nicht nur Bogenhausen, sondern viele Städte im ganzen Land. Das internationale Forum zur Kirchenumnutzung 2023 hat gezeigt, dass es eine breite Diskussion über die zukünftige Rolle von Kirchen im urbanen Raum gibt. Es bleibt zu hoffen, dass auch hier in Bogenhausen Lösungen gefunden werden, die sowohl die Bedürfnisse der Anwohner als auch die der neuen Gemeinde berücksichtigen.