In der Nacht auf Pfingstmontag wurden im Münchner Umland zwei Strommasten in Brand gesteckt. Unbekannte Täter hatten es auf die Masten nordöstlich von München abgesehen. Das Ganze passierte gegen 3.50 Uhr, als Zeugen einen Feuerschein auf einem freien Feld in der Nähe von Garching bemerkten. Kurz darauf, gegen 4.10 Uhr, wurde ein zweiter Brand an einem weiteren Strommast in der Nähe von Ismaning gemeldet. Diese beiden Vorfälle führten zu einem kurzzeitigen Stromausfall in einigen Teilen Ismanings. Glücklicherweise gab es keine Verletzten, aber die Polizei und Feuerwehr waren rasch zur Stelle und konnten die Flammen schnell löschen.
Doch es bleibt ein mulmiges Gefühl. Die Ermittler des Staatsschutzes im Polizeipräsidium München gehen von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Hinweise deuten darauf hin, dass kein technischer Defekt oder Kurzschluss für die Brände verantwortlich war. Das Feuer wurde direkt am Fuß der Masten gelegt, was die Vermutung verstärkt, dass es sich um ein gezieltes Vorgehen handelt. Auch der zweite Brand, etwa einen Kilometer von der Autobahn A9 entfernt, war von dort sichtbar. Die Polizei hat bereits eine Großfahndung nach den flüchtigen Tätern gestartet, bislang jedoch ohne Erfolg.
Ein Bild von der Lage
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte den Verdacht auf Sabotage und betonte, dass der Staatsschutz mit Hochdruck ermittelt. „Es ist unerträglich, dass solche Anschläge auf unsere Infrastruktur verübt werden“, so Herrmann. Die Täter könnten aus dem linksextremen Spektrum stammen, was in den letzten Jahren zu einem besorgniserregenden Trend geworden ist. Immer wieder gab es in München Brandanschläge auf kritische Infrastrukturen, darunter Stromleitungen, Datenkabel und Funkmasten. Im Mai 2021 beispielsweise führte ein absichtlich gelegtes Feuer zu einem großflächigen Stromausfall und zerstörte 50 Stromkabel. Hierbei wurde der Sachschaden auf mehrere Millionen Euro geschätzt.
Die Ermittler bitten die Anwohner nun um Mithilfe: Verdächtige Personen oder Fahrzeuge, insbesondere im Bereich der Autobahnausfahrt Garching Nord und der Freisinger Landstraße, könnten wichtige Hinweise liefern. Man fragt sich, wie viele Menschen von dem Stromausfall betroffen waren und wie lange es gedauert hat, bis die Stromversorgung wiederhergestellt war. Der genaue Sachschaden ist momentan noch unklar, doch die Sorge um die Sicherheit unserer Infrastrukturen bleibt bestehen.
Ein vernetztes Problem
Die Angriffe auf kritische Infrastrukturen sind nicht nur ein lokales Problem. Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz führen linksextremistische Gruppen in Deutschland jährlich zu Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe. Diese Angriffe haben oft weitreichende Auswirkungen auf die Bevölkerung: Stromausfälle, Störungen im Internet und im Bahnverkehr sind nur einige der Konsequenzen. Es scheint, als ob diese Attacken mit ideologischen Motiven wie Klimaschutz oder Antimilitarismus gerechtfertigt werden. Die Täter sehen sich oft als Kämpfer gegen einen repressiven Staat, der kapitalistische Interessen bedient.
Besonders betroffen sind Bereiche wie Energieversorgung, Informationstechnik und Transport. Ob das „Kommando Angry Birds“ oder die „Vulkangruppen“ – verschiedene Gruppierungen bekennen sich zu solchen Anschlägen und sehen sich als Teil eines größeren Kampfes. Es ist beschämend, dass solche Taten nicht nur Sachschäden verursachen, sondern auch das Vertrauen in unsere Infrastruktur untergraben.
Die bayerische Polizei hat auf die steigenden Bedrohungen reagiert und die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Alle 96 Kreisverwaltungsbehörden sollen mit mobilen Notstromgerätesätzen ausgestattet werden, um im Notfall schnell eingreifen zu können. In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer abhängiger von ihrer Infrastruktur wird, bleibt nur zu hoffen, dass solche Maßnahmen Wirkung zeigen und die Täter bald gefasst werden.