In den letzten Tagen hat sich in der deutschen Wirtschaft ein besorgniserregender Schatten über die IT-Branche gelegt. Evosoft, die Tochtergesellschaft von Siemens, hat angekündigt, bis Ende 2027 die Geschäftstätigkeit in Deutschland einzustellen. Das trifft nicht nur die Branche, sondern auch die Betroffenen direkt ins Herz. Rund 377 Mitarbeitende werden insgesamt ihre Stellen verlieren, davon etwa 320 am Standort Nürnberg. Ein harter Schlag, der viele in der Region betrifft.

Die Gründe für diese drastische Entscheidung liegen auf der Hand: Veränderte Markt- und Kundenbedingungen zwingen das Unternehmen zu einem Umdenken. Die IT-Entwicklung soll in bestehende Siemens-Hubs im Ausland verlagert werden, insbesondere nach Ungarn und in die Türkei. Dabei wird ein Teil der Softwareentwicklung in Siemens-eigenen Geschäftsbereichen weiterhin in Deutschland durchgeführt. Doch die Unsicherheit bleibt. Die Mitarbeitenden wurden bereits Ende Mai 2026 über die Pläne informiert, und es bleibt zu hoffen, dass Siemens gemeinsam mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen finden kann. Ein Interessenausgleich und Sozialplan stehen im Raum.

Weltweite Stellenstreichungen bei Siemens

Die Situation bei Evosoft ist nur ein Teil eines größeren Puzzles. Siemens plant weltweit den Abbau von rund 6.000 Arbeitsplätzen, davon entfallen 2.850 Stellen auf Deutschland. Die Sparte Digital Industries (DI) ist besonders betroffen. Konzernchef Roland Busch hatte bereits im Herbst seine Absichten zur Reduzierung der Stellenanzahl angedeutet. Besonders besorgniserregend: Der Stellenabbau soll ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Das klingt gut, aber die Frage bleibt: Wie? Bis Ende September 2027 sollen insgesamt 5.600 Arbeitsplätze wegfallen, von denen 2.600 in Deutschland gestrichen werden. Das Automatisierungsgeschäft innerhalb der Digital Industries liegt im Fokus, und die rückläufige Nachfrage wird als Grund angeführt. Hohe Lagerbestände und unzureichende Kapazitätsauslastung drücken auf die Bilanz.

Und wie sieht es in Bayern aus? Nun, die Region wird voraussichtlich besonders betroffen sein, da hier die meisten Werke der Digital Industries situiert sind. Bis Ende September 2023 sollen auch 450 Arbeitsplätze im Bereich Ladelösungen für Elektrofahrzeuge wegfallen, darunter 250 in Deutschland. Siemens plant, diesen Bereich auszugliedern. Ein strategischer Schritt, der jedoch von Preisdruck und einem begrenzten Wachstum geprägt ist. Arbeitnehmervertreter zeigen sich entsetzt über diese Entwicklungen. Birgit Steinborn, die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, äußert Überraschung und Unmut über die Abbaupläne. Auch Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, übt scharfe Kritik und stellt die Zukunft der Unternehmensstruktur in Frage.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind alles andere als rosig. Der deutsche Markt hat in den letzten zwei Jahren an Dynamik verloren, und die anhaltenden Anpassungen der Kapazitäten scheinen unausweichlich. Siemens selbst erwartet zwar eine Verbesserung der Lage im laufenden Jahr, doch die Realität ist oft eine andere. Im ersten Quartal konnte der Konzern immerhin einen Gewinn von 2,1 Milliarden Euro verbuchen. Doch was nützt das, wenn die Belegschaft schwinden muss?

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Die kommenden Monate werden entscheidend sein. In dieser angespannten Lage ist es wichtig, die menschliche Seite nicht aus den Augen zu verlieren. Die Mitarbeiter, die jetzt um ihre Zukunft bangen, brauchen Unterstützung und Perspektiven. Der Weg, den Siemens wählt, könnte weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben.