Ein letzter Abschied: Kare City Shop schließt nach 35 Jahren in der Sendlinger Straße
Ein Abschied mit einem Hauch von Melancholie – nach 35 Jahren schließt der beliebte Kare City Shop in der Sendlinger Straße seine Türen. Die Entscheidung kam nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis steigender Mieten und der spürbaren Veränderung in der Innenstadt, wie Filialleiter Martin Obermayr erklärt. „Die hohen Kosten sind nicht mehr tragbar“, so der Geschäftsführer. Doch keine Sorge, die vier Mitarbeiter des Ladens müssen nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Sie ziehen gemeinsam ins Kare Kraftwerk nach Obersendling um. Ein kleiner Trost für die treuen Kunden, die den Standortverlust bedauern.
„Ich kann es kaum fassen, dass unser geliebter Laden schließt“, äußert Stammkundin Marlene Koenen ihre Trauer über den Verlust der Vielfalt, die die Sendlinger Straße ausgemacht hat. Die Schließung wird aber nicht ohne ein letztes großes Fest auskommen: Der Schlussverkauf bietet bis zu 70 Prozent Rabatt auf eine breite Auswahl an Artikeln. Von den bunten Zebra-Hockern über Teller mit Goldrand bis hin zu den ausgefallenen Sofakissen – alles muss raus! Bis zum Ende des Sommers haben die Münchner noch die Chance, die letzten Schätze zu ergattern.
Ein Stück Geschichte verlässt das Stadtbild
Kare wurde 1981 von den BWL-Studenten Jürgen Reiter und Peter Schönhofen ins Leben gerufen. Was als kleiner Laden begann, hat sich mittlerweile international ausgebreitet – von Wien über Los Angeles bis Bogotá. Im Jahr 2026 feiert das Unternehmen sein 45-jähriges Jubiläum, was diesen Abschied nur umso bittersüßer macht. Wie die Mitarbeiterin Stephanie Reiter berichtet, sind viele Kunden traurig und nostalgisch, wenn sie an all die schönen Erinnerungen denken, die sie mit dem Kare City Shop verbinden. Ein Ort, an dem sich viele nicht nur mit Möbeln, sondern auch mit besonderen Momenten eingedeckt haben.
Es stellt sich die Frage, was der Schließung solcher Kultläden für die Münchner Innenstadt bedeutet. Laut Dr. Joachim Will, Geschäftsführer der ecostra GmbH, sind die Herausforderungen des stationären Handels nicht zu unterschätzen. Der Online-Handel boomt – fast 13,2 Prozent der Umsätze in Deutschland entfallen bereits auf digitale Käufe. Tendenz steigend. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung von kommunalen Einzelhandelskonzepten klar. Diese sind nötig, um die Funktionen des Handels in zentralen Lagen zu stärken und negative Auswirkungen durch die Dezentralisierung zu vermeiden.
Die Zukunft der Innenstädte
Die Zukunft des stationären Einzelhandels liegt in der Schaffung attraktiver städtischer Räume, die über das reine Einkaufen hinausgehen. Gastronomie, Kultur und soziale Interaktionen sind essenziell. Denn was bleibt von einer Innenstadt, wenn die Geschäfte schließen und die Menschen nicht mehr zum Flanieren kommen? Es gilt, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und Anreize zu schaffen, die über das Einkaufen hinausgehen. Die Herausforderung ist es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Bedürfnissen der Kunden, den lokalen Einzelhändlern und den Entwicklungen im digitalen Raum.
Ob der Kare City Shop in der Sendlinger Straße nun ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Münchner Einzelhandels schließt oder ein Signal für notwendige Veränderungen ist, bleibt abzuwarten. Eines steht fest: Die Stadt wird sich weiterentwickeln müssen, um auch in Zukunft ein Ort des Lebens und der Begegnungen zu bleiben.
