Heute ist der 12.05.2026 und die Stimmung am Rotkreuzplatz in Neuhausen-Nymphenburg könnte nicht angespannter sein. Die Galeria-Filiale, ein vertrauter Anblick für viele Münchner, steht vor dem Aus. Mietzahlungen für den April sind nicht geleistet worden, und das Vertragsende rückt näher – Anfang 2027 wird Schluss sein, wenn es so weitergeht. Die 120 Mitarbeiter bangen um ihre Existenz und die SPD-Stadtratsfraktion hat sich nun aufgemacht, das Ruder herumzureißen. Ihr Ziel: die Schließung verhindern und die Arbeitsplätze retten.
Der Protest ist bereits in vollem Gange. Rund 120 Menschen haben sich am 10. Mai 2026 versammelt, um für den Erhalt des Kaufhauses zu demonstrieren. Es ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein Stück Heimat, das viele im Viertel verbindet. Christian Köning, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, hat die Wichtigkeit des Kaufhauses für den Stadtteil betont. Und das ist kein leeres Geschwätz. Die drohende Schließung ist nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern auch ein sozialer Einschnitt für die Gemeinschaft.
Ein neuer Plan in Sicht?
Die SPD arbeitet eng mit der Gebäudeeigentümerin zusammen, die zufällig die Tochter einer öffentlich-rechtlichen Landesbank ist. Sie hoffen, baurechtliche Möglichkeiten zu prüfen und gemeinsam mit der Eigentümerin Lösungen zu finden. Doch die Pläne für die Immobilie sind bereits weit fortgeschritten. Nach der Schließung könnte das Kaufhaus einem Hotel, neuen Einzelhandelsflächen und sogar Wohnraum weichen. Ein großer Umbau wird an der Donnersbergerstraße 3/Pötschnerstraße 5 angestrebt, das bestehende Warenhaus soll zwar erhalten bleiben, doch die oberen Etagen sind zum Abriss vorgesehen. Kommt das Hochhaus, das zum Rotkreuzplatz hin entsteht? Die Genehmigungen sind noch in der Prüfung.
Allein die Galeria plant, Mietverträge für acht Standorte in Deutschland, darunter auch die Münchner Filiale, nachzuverhandeln. Doch wenn keine Einigung erzielt wird, stehen die Chancen auf Schließungen nicht gut. Das Kaufhaus gehört seit 2024 der OFB Projektentwicklung, die mehr Bebauung anstrebt, um die Erträge zu steigern. Das zeigt, wie festgefahren die Situation ist: 83 Galeria-Filialen sind gefährdet, und die Corona-Pandemie hat die ohnehin schwierige Marktlage noch weiter verschärft.
Einzelhandel im Umbruch
Die laufende Entwicklung ist ein Teil eines größeren Trends in München. Die Stadt hat, wie viele andere, mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Menschen haben sich verändert, ihr Einkaufsverhalten hat sich gewandelt – besorgte sich vieles online, während die Innenstädte zunehmend veröden. Die Pandemie hat diesen Umbruch nur beschleunigt. Der Onlinehandel boomt, und die Zahlen sind beeindruckend: von 1,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2000 auf schätzungsweise 88,8 Milliarden Euro im Jahr 2024! Münchens Kaufkraft liegt bei 27.209 Euro pro Kopf, und dennoch bleibt ein großer Teil des Einzelhandels ungesichert.
Die Stadtverwaltung plant, die Innenstadt wiederzubeleben. Projekte wie der Umbau des ehemaligen Karstadt Sports am Stachus zu einem Mixed-Use-Gebäude sind in der Mache, um Wohnraum, Büroflächen und Gastronomie zu integrieren. Doch der Leerstand in B- und C-Lagen wird voraussichtlich weiter steigen, während A-Lagen stabil bleiben. Die Frage bleibt, wie sich die Stadtgestaltung weiterentwickeln kann, um lebendig zu bleiben. Der Kampf um das Kaufhaus am Rotkreuzplatz ist dabei nur ein kleiner, aber wichtiger Teil dieses größeren Puzzles.